Der Schrecken der Krabbelgruppe - Die Eingewöhnung auf kinderalltag.de

Der Schrecken der Krabbelgruppe – Die Eingewöhnung

Endlich ist es soweit und meine Kleinste geht auch in die Kita. Wie schon bei den anderen beiden gibt es eine ausgiebige Phase der Eingewöhnung. Das gibt mir momentan Gelegenheit meine Kleine dabei zu beobachten, wie sie sich in der neuen Situation zurechtfindet.

Sitzen auf winzigen Stühlen

Der erste Teil der Eingewöhnung bedeutet für mich, dass ich jeden Tag eine halbe Stunde in der Krabbelgruppe verbringe. Dabei darf ich aber weder krabbeln, noch spielen. Geplant ist diese Phase zumindest für die ersten drei Tage. Ankommen, Hausschuhe anziehen und gemeinsam in die Gruppe. Soweit die Theorie.

Bei mir kommen da noch zwei ältere Kinder dazwischen, die es auch gewöhnt sind, von mir in die Garderobe und die Gruppe begleitet zu werden. Den beiden möchte ich natürlich nicht in Rituale nehmen, also kommen wir zu viert in der Kita an und zuerst werden die Großen versorgt, dann die Kleine. Saß sie bisher sicher verstaut im Kinderwagen, so darf sie jetzt rumlaufen. Also erkundet sie die Kita, während ich abgelenkt bin und ist meist schon in der Krabbelgruppe, wenn mir auffällt, dass sie nicht mehr neben mir ist. Sind wir endlich angekommen, werde ich auf einen viel zu kleinen Stuhl gesetzt, beobachte die Eingewöhnung und schreite ein, wenn etwas eskaliert.

Mini-Sozialstudie

Die Beobachtung dauert die ersten Tage 30 Minuten. In diesen dreißig Minuten habe ich die einzigartige Chance zu sehen, wie meine Kleine sich erstmals in einer Gruppe nahezu Gleichaltriger verhält. Noch dazu in einer fremden und ungewohnten Umgebung. Hier haben wir allerdings den Vorteil, dass sie die Kita schon sehr gut kennt und auch die Erzieherin hat im Vorfeld schon Freundschaft mit ihr geschlossen. Aber die Interaktion mit den anderen Kindern ist schon etwas Neues für sie. Auch für die Kinder, die schon länger in der Gruppe sind, ist es sicher eine große Herausforderung neue Kinder zu akzeptieren. Dabei macht es meine Tochter ihnen auch nicht gerade leicht.

Trainiert in Hackordnung

Als Kleinste von drei Kindern, wobei einer zumindest keinen Rücksicht auf sie nimmt, hat mein Nesthäkchen ganz natürlich gelernt sich durchzusetzen. Daheim gibt es immer wieder handfeste Prügeleien, bei denen sie nicht nur mitmischt, sondern auch gerne mal eine anzettelt. Die Geschwister sind darüber zwar nicht erfreut, haben aber soviel Anstand sich nicht, oder nur weit unter ihren Möglichkeiten zu wehren. Das kleine Mädchen hat also ein gewisses Potential zum Troublemaker. Geschult durch den laufenden Wettbewerb zwischen den Geschwistern, bei dem sie erst mit Kindchenschema und mittlerweile mit unerwarteter Gewaltbereitschaft und schriller Stimme besteht, könnte sie ein behütetes Einzelkind im selben Alter unter Umständen etwas aus dem Gleichgewicht bringen. Was man allein mit Mama nicht braucht, nämlich Durchsetzungsvermögen hat sie bereits ausreichend entwickelt. Wer auch immer ihr etwas wegnimmt, der bereut es wohl.

Drama-Queen

Was in einer Kleingruppe aus Kindern auch eine nützliche Eigenschaft ist, ist es aufzufallen. Hat sie, oder eines Ihrer Geschwister einen Grund traurig zu sein, dann ist das unüberhörbar. Man wirft sich zu Boden, man heult Rotz und Wasser und schreit, dass es durch Mark und Bein geht. Ein leises Wimmern würde bei uns zu Hause nicht auffallen. Man muss zumindest lauter als der Staubsauger sein, besser aber so laut, dass Mama, Papa und ein Großteil der Nachbarschaft augenblicklich in Alarmbereitschaft ist und zur Hilfe eilt. Auch Schauspiel unterstützt das Drama. Theatralisch auf alle Viere vorfallen und den Kopf sanft auf den Boden schlagen ist momentan die bevorzugte Variante großes Unglück dramatisch zum Ausdruck zu bringen. Meine Kleine beherrscht das perfekt und die Szene endet schließlich wahlweise in Bauch-, oder in Rückenlage, wo auf Mitleid und Unterstützung gewartet wird.

Volles Vertrauen

Aus tiefstem Herzen traue ich das ihrer neuen Erzieherin zu. Sie macht das mehr als souverän und auch die junge Helferin hat ein professionelles Händchen für die Kleinsten. Sorgen mache ich mir nur um die armen Einzelkinder, die neu in der Gruppe eintreffen. Nicht nur meine Kleine wird sich oft so verhalten, auch andere Kinder, die in der Krabbelgruppe bereits Fuß gefasst haben und sich behaupten können, können so ein Kind sicher verunsichern. So gesehen habe ich es mit der Eingewöhnung sicher leichter, als manch andere Mutter.

Bestimmt wird die süße Maus aber noch da und dort für einen freundlichen Anruf aus der Kita sorgen. Sie ist resolut und hat ein wenig von dem Charakter ihres Bruders, auch wenn sie selbst natürlich einzigartig ist. Er ist immer dadurch aufgefallen, dass er nicht zur Abschreckung gedroht hat, sondern als Vorwarnung. Wollte er seine ältere Schwester schlagen, oder beissen, dann hat er sie solange durch die Wohnung gejagt, bis es ihm endlich gelungen ist. Dabei war er immer ausgesprochen ausdauernd. Auch in der Kita hat er eine gleichaltrige Spielkameradin, die auch eine ältere Schwester hat. Sie haben sie eine zeitlang nichts geschenkt und mindestens einmal die Woche hat uns eine etwas verlegene Erzieherin entweder berichtet, dass er sie gebissen hätte, oder umgekehrt.

Die Entwicklung beginnt

Die Streitereien mit anderen Kindern haben aber völlig aufgehört. Ich bin überzeugt, dass das etwas ist, was man in der Kita-Gruppe lernen kann: Sich im sozialen Gefüge eingliedern und seine Platz finden. Sein eigenes Ding durchziehen, dabei aber Rücksicht auf andere nehmen. Ich bin mir sicher, dass auch die Kleinste der Drei die Eingewöhnung gut hinter sich bringt. Auch wenn wir das Thema bei den beiden Älteren komplett unterschätzt haben und eigentlich dachten, dass es ein Spaziergang wird, sehen wir die Eingewöhnung der Kleinsten realistisch. Ich habe vorerst Vormittags keine Pläne und lasse es auf mich zukommen. Nächste Woche werde ich ab Dienstag nicht mehr in der Gruppe, sondern in der Garderobe sitzen. Ich freue mich auf den Tag, wo ich dann auch mal raus darf und die Eingewöhung abgeschlossen ist.

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