Es ist mir eine Ehre – das Ehrenamt

Ich selber habe mich noch nicht dazu durchgerungen selbst ein Ehrenamt auszuüben. Allerdings ist mein Mann seit Jahrzehnten ein richtiger Vereinsmeier. Er hat in seiner Jugend geturnt und in seinem Verein rasch Verantwortung übernommen. Er hat sich über den lokalen Verein dann zu einem vereinsübergreifenden Amt im Dachverband und dann auch über Fachwart und Vizepräsident bis zu, Präsident des Fachverbands ehrenhaft hochgearbeitet. Hier einmal die Sicht derjenigen, die alleine daheim sitzt, wenn der Partner dem Ehrenamt nachgeht.

Meine Ehrenamt – eine Blogparade

Es gibt ja kaum eine Blogparade von der ich lese und bei der ich nicht mitmache. In diesem Fall hat mich das Thema aber sehr angesprochen. Freya von dieplaudertasche.com lädt zur Blogparade Mein Ehrenamt und macht einem in ihrem Aufruf gleich ein schlechtes Gewissen. Sie engagiert sich nicht nur bei der freiwilligen Feuerwehr, sondern betreibt auch ein paar Sozialprojekte. Toll, dass sie neben ihren drei Kindern noch so viel Zeit findet, auch wenn die Kinder schon älter sind, als meine. Ich selber habe momentan wenig Ressourcen frei. Mein Leben mit den Kindern ist Amt genug. Allerdings hat mein Mann noch immer ein paar Ressourcen frei um manch ein Wochenende in Turnhallen zu verbringen. Zwar hat er seine ehrenamtliche Tätigkeit weitgehend eingestellt und zumindest viele seiner Funktionen zurückgelegt, da es aber offensichtlich für manche Ämter nicht viele Bewerber gibt, wird er regelmäßig gefragt und hat zuletzt wieder einmal ja gesagt.

verschiedene Rollen im Ehrenamt

Ehrlich gesagt interessiere ich mich nicht sehr für das, was mein Mann beim Turnen so macht. Wir reden aber auch über dieses Thema immer wieder und wenn er ein Problem hat, oder einfach etwas loswerden möchte, dann höre ich mir das natürlich gerne an und versuche ihm zu helfen. So bin ich mittlerweile eine kleine Expertin, was das Turnen in Wien und in Österreich betrifft :). Soweit ich seinen Ausführungen entnehme, gibt es im Ehrenamt verschiedene Typen von Menschen. Auf der einen Seite gibt es die, die ihre komplette Freizeit der Allgemeinheit opfern. Es gibt in kleinen Vereinen Trainerinnen und Trainer, die nicht nur mehrmals die Woche in der Turnhalle stehen, sondern auch noch am Wochenende Fortbildungen besuchen, oder selbst abhalten.

Auf der anderen Seite gibt es die, die Vereine leiten, selbst nicht mehr in Turnhallen stehen, oder selber den Sport ausüben, aber in Vorständen sitzen und dort kräftig mitarbeiten. Außerdem gibt es im Sport noch die Trainerinnen und Trainer, die mehr, oder weniger bezahlt werden. Da verschwimmt die Freizeit und die Anstellung allerdings ein wenig, weil die teilweise auch ehrenämter ausüben und nicht alles bezahlt bekommen, was sie tun.

Ehrenamt Backoffice

Mein Mann ist einer der Funktionäre. Er organisiert Wettkämpfe. Das bedeutet im Vorfeld viel Arbeit, wie Organisieren der Halle, der Helfer, der Kampfrichter, das Aussenden der Ausschreibung und die Erstellung von Zeitplänen. Vor Ort steht er dann den ganzen Tag in der Turnhalle, moderiert und teilt ein. Meine Kinder begleiten ihn liebend gern zu den Wettkämpfen. Sie sind ganz begeistert und wenn er einmal auswärts schläft nimmt er sich auch schon mit. Er erzählt mir oft von ganzen Familien, die aktiv im Ehrenamt stehen.

Man lernt sich im Turnverein kennen, heiratet, bekommt Kinder und ist immer ehrenamtlich tätig. Auch die Kinder werden so an das Ehrenamt herangeführt und übernehmen ganz selbstverständlich früher, oder später eine entsprechende Aufgabe. Als Frau muss ich aber doch immer wieder auf meinen Mann verzichten. Statt im Haushalt zu helfen, etwas zu reparieren, oder einfach nur dazusein, macht er etwas anderes. Oft muss er sehr früh aus dem Haus und kommt erst sehr spät wieder. Ich sitze dann allein zu Hause und warte. Ein Wochenende mit der Familie fällt dann einfach aus, weil mein Mann nach 5 Tagen im Büro noch 2 Tage in der Turnhalle arbeitet.

ohne gehts nicht

Zumindest beim Turnen geht das aber nicht anders. Es gibt sicher Fußballvereine, die ausreichend Geld haben um einen Trainer ordentlich zu bezahlen und Schiedrichter bekommen meistens auch eine ordentliche Aufwandsentschädigung. Fußball und andere Sportarten sind auch verhältnismäßig einfach zu betreiben. Ein Fußballplatz wird hin und wieder gemäht und fertig. Dann braucht man noch einen Ball und los geht. Beim Turnen wird oft in der Nacht vor dem Wettkampf stundenlang aufgebaut und danach wieder abgebaut.

Bis alle Geräte stehen und alle Matten da liegen, wo sie hingehören vergeht viel Zeit. Oft müssen zusätzliche Geräte zur Wettkampfhalle transportiert werden. Zwanzig Helfer sind da sicher zwei bis drei Stunden beschäftigt und nach dem Wettkampf muss alles wieder abgebaut werden. Wo beim Fußball ein Schiedrichter reicht braucht man beim Turnen mindestens zwei. Das aber pro Gerät und Geräte gibt es 10. Die Kampfrichter müssen dann auch noch schwierige Prüfungen machen, umfangreiche Listen mit Turnübungen auswendig lernen und eine eigene Schrift lernen um mitzuschreiben, was geturnt wird, während sie zusehen.

unbezahlbar

Geht man davon aus, dass für einen solchen Wettkampf unglaublich viele, teilweise gut qualifizierte Fachleute benötigt werden, dann wäre das mit leistungsbezogener Entlohnung einfach nicht bezahlbar. Die Menschen stellen ihre Leistung und ihre Freizeit aber sehr günstig zur Verfügung. Man bekommt zwar ein kleines Taschengeld, dafür kann man aber maximal nach dem Wettkampf etwas essen gehen. Mein Mann berichtet mir nach so einem Wettkampf oft, was alles passiert ist und es beeindruckt mich immer wieder, wieviele Kinder teilnehmen. Bei kleinen Wettkämpfen sind nicht selten mehr als 200 Teilnehmer. Dahinter stehen ein paar Vereine, die die Kinder das ganze Jahr über trainieren und bewegen und dann zum Wettkampf bringen. Dank des Einsatz von 30, oder mehr ehrenamtlichen Funktionären und Kampfrichtern und noch einigen Trainerinnen und Trainern werden viele Kinder für Sport begeistert. Eigentlich eine tolle Sache.

Papa/2

Allerdings steht mein Mann an so einem Wochenende der Familie nicht zur Verfügung. Außerdem fehlt ihm selbst auch die Erholung am Wochenende und er arbeitet zwei Wochen durch. Auch wenn er die Kinder zum Wettkampf mitnimmt ist das nicht immer ideal. Die Zeitpläne sind oft nicht kompatibel mit dem Schlafrythmus der Kleinen. Also bleibe ich oft mit einem, zwei, oder allen drei Kindern allein zu Hause. Das Ehrenamt ist eine tolle Sache, ohne die viele viele Sportarten sicher nicht möglich wären. Es ist oft schwierig jemanden zu finden, der ein Ehrenamt ausübt und oft passiert es, dass jemand plötzlich nicht mehr da ist. Viele ehrenamtlich Tätige sind für die Vereine unentbehrlich und ein Verein ist nun mal keine Firma, die einfach Personal aufnehmen kann, Stellvertreter vorsieht und rechtzeitig Nachfolgen regelt.

Die Personaldecken sind dünn und viel hängt an Einzelpersonen. Oft berichtet mein Mann von Funktionären, die schlecht arbeiten, aber mangels Alternativen einfach weitermachen müssen. Ich selbst übe kein Ehrenamt aus und habe auch keine Lust, meinen Mann einmal wirklich zu einem Wettkampf zu begleiten. Trotzdem leiste ich einen kleinen Beitrag, indem ich meinem Mann den Rücken freihalte. So kann er das tun, was er gerne macht, was er kann und was vielen Menschen etwas bringt. Ich passe daheim auf die Kinder auf und bring den Müll selber runter. Mein Beitrag zum Ehrenamt 😉

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2 Kommentare gepostet

  1. Hallo Andrea,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag zu meiner Blogparade. Ich wollte natürlich keinem ein schlechtes Gewissen machen 😉 Ich bin eben gerne ehrenamtlich tätig, denke aber das muss jeder selbst entscheiden, wie es in sein Leben passt und ob es ihm Spaß macht. Dadurch das du deinem Mann den Rücken freihälst, tust du doch auch etwas fürs Ehrenamt 😉
    Liebe Grüße
    Freya

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