Ist Hausfrau sein nicht mehr modern?

Ich lebe mein Leben als Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Nachdem die beiden Größeren seit letztem Jahr in die Kita gehen erfüllt meinen Alltag momentan der Haushalt und meine Kleinste. Ist es in der heutigen Zeit noch vorstellbar für immer zu Hause zu bleiben und Hausfrau zu sein?

eine Blogparade

Mit meinem heutigen Beitrag möchte ich an der Blogparade von Sonja von sonjasbesonderewelt.blogspot.co.at teilnehmen. Sonja fragt, ob man heute noch Hausfrau sein darf. In diesem Beitrag versuche ich Antworten zu finden.

Hausfrau sein

Das Thema bewegt mich aktuell sehr. Meine Kleinste geht mit September ebenfalls in die Kita und es mit Anfang nächsten Jahres läuft meine Karrenz aus. Ich beziehe momentan Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe für vier Kinder. Ab nächstem Jahr fällt dann das Kinderbetreuungsgeld weg und ich müsste ab dem Zeitpunkt von der Familienbeihilfe leben und mich von meinem Mann erhalten lassen. Zur Erinnerung: Ich bin Deutsche, die seit Jahren in Österreich lebt.

Der männliche Österreicher verdient durchschnittlich 2.786€ pro Monat inkl. der Sonderzahlungen. Rechnet man die Familienbeihilfe für drei kleine Kinder dazu, dann stehen einer durchschnittlchen Familie etwa 3.360 monatlich, oder 40.320€ zur Verfügung. Das klingt auf den ersten Blick viel.

eine schnelle Rechnung

Rechnet man die durchschnittlichen Mietkosten in Wien für 100m² kommt man auf etwas 1.080€, was in etwa dem entspricht was auch unsere Wohnung warm kostet. Dazu brauchen wir einen Garagenplatz um 80€ im Monat. Nach den Kosten für die Wohnung bleiben etwa 26.400€ im Jahr übrig. Kita kostet pro Kind etwa 130€, also 390€ im Monat. Macht 21.720€. Hat man drei Kinder braucht man ein Auto. Ein Auto kostet pro km etwa 55 Cent. Fährt der Mann jeden Tag 20km ins Büro und zurück und macht man zusätzlich noch 200km die Woche Ausflüge und Besorgungen und fährt einmal im Jahr 2.000km auf Urlaub, so kommen nochmal 11.600€ für das Auto weg. Jetzt sind es nur noch 10.120€, oder 843€ im Monat. 5 hungrige Mäuler verbrauchen etwa 150€ die Woche an Einkäufen. Für Versicherungen, wie Unfall- und Pensionsversicherung, die man zusätzlich zur Autoversicherung noch braucht, kommen schnell 250€ im Monat zusammen. Also nochmal 10.800€. Es bleiben nur noch – Hoppla, das Geld ist weg, nichts bleibt mehr! Dabei haben wir noch keinen einzigen Kinderschuh bezahlt, die zusätzlichen Kosten für Ausflüge. Wir waren kein einziges Mal im Kino. Kein Haushaltsgerät hat den Geist aufgegeben und kein Kind hat ein Geburtstagsgeschenk, oder eine Party bekommen. Weihnachten und Ostern haben wir abgesagt und wir waren nie außer Haus essen.

Luxushausfrau

Es sieht also so aus, als ob es tatsächlich eine Frage des Geldes wäre und das Einkommen des Alleinverdieners zusammen mit Unterstützungen hier beinhart darüber entscheidet, wer seine Kinder behütet und allgegenwärtig durch die Kindheit begleiten darf und wer sie tagsüber Fremden überlassen muss um ihnen doch noch etwas zum Geburtstag schenken zu können. Klar kann man auch Abstriche machen. Lässt man das Auto weg und ersetzt es durch eine Jahreskarte der öffentlichen Verkehrsmittel spart man schon mal über 11.000€. Der Preis dafür ist aber, dass man die Flexibilität aufgibt, Einkäufe mit drei Kindern nach Hause schleppen muss und ein Nachmittag im Zoo zu einem größeren Projekt wird.

Was hat sich geändert?

Wir haben unser Leben in den letzten Jahren komplett verändert. Während unsere Großeltern in der Nachkriegszeit große Entbehrungen und Sparsamkeit gewohnt waren, leben wir heute in einer Wegwerfgesellschaft im Überfluss. Durch die laufende Zentralisierung muss man entweder in Ballungszentren ziehen, in denen die Mieten entsprechend hoch sind, oder pendeln um zum Arbeitsplatz zu kommen. Die Ansprüche sind massiv gestiegen. Man braucht nicht einfach ein Leibchen, sondern muss eines mit Spiderman, oder Eiskönigin-Aufdruck haben und bezahlt natürlich die Lizenzgebühren an Marvel, Disney und Co. mit. Unterhaltungselektronik war früher ein 12-Zoll schwarzweiss-Fernseher im Wohnzimmer. Heute hat man in jedem Schlafzimmer einen 40 Zoll-LED-HD-Fernseher, Blueray-Player, Internet, Tablet, PC, Notebook und mehrere Smartphones im Haushalt. Wir befinden uns in einer Spirale aus Angebot und Nachfrage und stehen permanent unter Druck etwas zu kaufen. Es gehört sich einfach nicht dem kleinen Jungen die Wäsche der großen Schwester anzuziehen. Ich war zum Glück die Älteste, aber ein paar Fotos von der Kindheit meines Mannes, der ein paar ältere Geschwister hat, zeigen ganz deutlich, dass man früher Kleidung mehrmals verwendet hat.

Luxusfamilie

Es ist oft schon schwierig mit zwei Gehältern ordentlich über die Runden zu kommen, aber die Entwicklung läuft meiner Meinung nach in eine ganz falsche Richtung. Ich lese momentan auch noch ein Buch von Fr. Dr. Leibovici-Mühlberger, die unter anderem das frühe Abgeben der Kinder in Betreuungseinrichtungen kritisiert. (Siehe dazu meinen Beitrag Erziehe ich falsch?)Eine Zweijährige kann einfach in einer Gruppe von zehn bis zwanzig Kindern von einer, oder zwei Pädagoginnen nicht genauso altersgerecht gefördert und betreut werden, wie eine Vollzeitmutter mit zwei, oder drei Kindern als Hausfrau schaffen würde.

Die Hausfrau fehlt im Haus

Wenn ich meinen Hausfrauenjob an den Nagel hänge und wieder in die Wirtschaft einsteige um dort jede Woche ein paar Stunden Geld zu verdienen, dann würde der Haushalt massiv leiden. Es passiert einfach so viel jeden Tag, was wieder beseitigt werden muss. Beim Frühstück wird Geschirr verschmutzt und Krümel landen unter dem Tisch. Die Kinder tapsen an Spiegeln und Balkontüren herum. Wäsche fällt an. Es müssen Vorräte aufgefüllt werden.

Auch wenn das Klischee der Kaffeetrinkenden Mutter, die entspannt neben dem Spielplatz auf der Parkbank sitzt und das Leben genießt durch unterschiedliche Hollywood-Filme genährt wird, so ist der Haushalt im echten Leben wirkliche Arbeit. Speziell wenn die kleinen Kinder ihr Unwesen getrieben haben braucht die Wohnung eine Renovierung. Alleine das Einkaufen nimmt schon ein bis zwei Stunden am Tag in Anspruch. Meine Kinder werden zwar in der Kita verpflegt, sind aber am Nachmittag immer sehr hungrig. Es muss also gekocht werden. Zusammen kommt man sicher pro Tag auf drei bis fünf Stunden, die man mit Hausarbeit verbringt und Hausarbeit kann man nicht lange liegen lassen. Die Wäsche muss wieder in den Kasten und das Geschirr entwickelt seltsame Eigenschaften, wenn es länger nicht gewaschen wird.

Dreck, der neben dem Frühstückstisch in einer überschaubaren Region der Wohnung liegt verteilt sich, wenn die drei durch die Wohnung flitzen rasch in alle anderen Räume. Die Aufwände multiplizieren sich also. Macht man Halbe Halbe mit dem Mann, so kann man davon ausgehen, dass das wohl nicht immer funktionieren wird. Mein Mann hat ab und zu Dienstreisen zu absolvieren und muss da und dort auch mal länger im Büro bleiben. Es bleibt die Arbeit also zu einem großen Teil an mir hängen und ich kann neben dem Job auch noch als Hausfrau arbeiten.

Der Hausfrau fehlt der Job

Die andere Seite der Medaille ist aber, dass mir als Hausfrau und Mutter tatsächlich ein Job abgeht. Mein Mann reist schon mal über Nacht irgendwo in der Weltgeschichte herum und sieht Orte und Städte, an denen ich noch nie war. Auch hat er tagsüber Kontakt mit ausgewachsenen Menschen. Klar, meine Älteste erstaunt durch geschliffene Rhetorik und erstaunlich reife Gedankengänge, aber mit fünf Jahren ist sie einfach kein geeigneter Sparringspartner für meine Gedanken und Sorgen. Ich habe ein Netzwerk aus Freundinnen, aber das professionelle Miteinander und die Abwechslung vom Kinderalltag sind sicher etwas anderes, als mit anderen Muttis über deren Kinder und Sorgen zu reden. Ein anderes Thema, zumindest stundenweise wäre mir doch ganz recht.

Alternative Selbstständigkeit

Es braucht eigentlich nicht viel. Rechnet man kurz zusammen, was es mich kosten würde, arbeiten zu gehen, also Ticket für die U-Bahn und Kinder-Nachmittagsbetreuung, dann bleibt von einem durchschnittlichen Gehalt wenig über. Es geht eigentlich ja nur um die Rente und vielleicht ein Taschengeld, das ich für mich ausgeben kann. Mein Mann verdient ausreichend, dass wir mit seinem Gehalt und der Familienbeihilfe auskommen. Es gibt also eine echte Alternative, die Selbstständigkeit heißt. Mit ein bisschen Aufwand kann man sicher eine kleinen überschaubaren Umsatz erwirtschaften und davon in die Pensionskasse einzahlen.

Ich habe noch Zeit

Momentan habe ich aber noch ein gutes Jahr vor mir, bis ich die Entscheidung treffen muss. Die Vorteile, die meine Kinder von einer Mutter, die Hausfrau ist, haben würden sind immens. Es ist aber auch sehr verlockend wieder in das Arbeitsleben einzusteigen und meine Sozialkontakte nach verschiedenen Richtungen auszuweiten. Ich kann die Frage für mich noch nicht endgültig beantworten, wenn aber die finanziellen Rahmenbedingungen gegeben sind, dann ist der Job Hausfrau, unter der Auflage dabei Versicherungsjahre für eine spätere Pension zu sammeln, für mich die Option, die ich wählen werde.

 

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