Kindliche Alltagskunst

Kinder haben Ticks, das weiß jede Mama! Meine drei Kleinen sind da auch keine Ausnahme. Oft kann man als Mama, oder als Papa nur mit halboffenem Mund daneben stehen und beobachten, was die Kinder veranstalten. Und immer geht es auch ein bisschen darum, den eigenen Willen durchzusetzen.

Kennt Ihr das auch? Endlich liegen alle fix und fertig im jeweiligen Bett, das Licht ist aus und Papa und Mama freuen sich darauf, dass ein weiterer anstrengender Abend zu Ende geht und ein weiterer netter Abend ohne (wache) Kinder beginnt. Nachdem die letzten Kinderserien gekuckt sind, alle Milchzähne geschrubbt und jeder nochmal auf Toilette war liegen die Kinder angenehm erschöpft und augenscheinlich kaum noch wach in ihren Bettchen. Oft geht das gut und die Kinder schließen ihre Augen und schlafen rasch und friedlich ein. Leider hat man nicht immer dieses Glück.

An manchen Tagen hat einer nämlich was vergessen. Üblich sind plötzliche und unbändige Durstanfälle, die nur durch nochmaliges Aufstehen und Trinken behandelt werden können. Hin und wieder kommt es aber vor, dass tatsächlich das Lieblingsspielzeug des Tages plötzlich nicht mehr da ist. Dazu muß man wissen, dass meine Kinder immer wieder ein spezielles Teil haben, das sie den ganzen Tag mit sich rumschleppen. Und ich meine den ganzen Tag. Mein Sohn ist da etwas extremes. Wenn er morgens zu nachtschlafender Zeit aus seinem Kinderzimmer schlurft um Mami an ihren Dienstbeginn zu erinnern schleift er allerhand Zeug mit sich herum. Meine Tochter ist momentan total auf ihr Karnevals-Prinzessinenoutfit fixiert und trägt es tagsüber. (Nachts haben es mein Mann und ich verboten.) Der Kleine ist dabei aber ungeschlagen. Am tollsten ist es, wenn man ihn aus der Kita holt und wieder mal einer seiner kreativ-produktiven Tage war. Da läuft er dann, statt freudig in die Arme von Mama, oder Papa die ihn abholen, sondern schnurstracks zu seinem Fach, wo er zwischen zehn und hundert mehr, oder weniger zerknüllte Blätter Papier mit jeweils wenigen Buntstiftstrichen, oder Meisterwerken der Kindergartenpädagoginnen holt. Meist schafft er das nicht auf einmal, sondern pendelt zwei- bis dreimal zwischen Lade und Elternteil hin und her, bis er Alles geholt hat.

Oft erbarmt sich eine seiner Pädagoginnen und holt einen Müllsack, in den er dann seine Kunst verstaut. Am Anfang haben wir den Müllsack sehr praktisch gefunden, weil wir nach kurzer Durchsicht und einem überschlagsmäßigen Hochrechnen, wie viele Zeichnungen uns während Kita-, Schul- und Studienzeit noch erwarten werden, zu der Einsicht kamen, dass wir einerseits noch nicht reif sind für diese Art von Kunst und andererseits der zur Verfügung stehende Platz nur noch wenige Monate reichen würde, wenn wir alles archivieren und den Müllsack direkt seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt haben. (Natürlich haben wir gute Zeichnungen aussortiert und aufgehoben, aber das meiste ist wirklich nicht viel mehr als zwei bunte Striche. Sein Motto beim Malen: Quantität statt Qualität)

Mittlerweile hängt er aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen auch an seinen Zeichnungen und fordert sie zu Hause sofort ein um sie den Rest des Tages mit sich herum zu tragen. Dann geht er damit Schlafen und am nächsten Morgen wird man durch Papierrascheln geweckt.

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