Liebestöter und die Liebe – Arme Eltern

Kinder sind Liebestöter. Da gibt es nichts zu beschönigen. Eigentlich könnte ich jetzt schon wieder aufhören zu schreiben, weil im ersten Satz schon die ganze Wahrheit steckt, aber schließlich schreibe ich ja einen Blog und da sollte ich mich zumindest zu ein paar mehr Wörtern hinreißen lassen.

Es glimmt

Lernen Mama und Papa sich kennen, dann lodert die Liebe und wo es lodert, da geht es auch heiß her. Nur Augen für den anderen, Herzschmerz, Sehnsucht und jede Menge Schmetterlinge, die im Bauch für Unruhe sorgen. Tritt dann das erste Kind ins zweisame Leben der Eltern, dann ist das Glück vollkommen. Die Liebe verändert sich, die Rollen verändern sich. Im Schlafzimmer wird Platz gemacht für ein Kinderbett und oft trennt die Unzertrennlichen ein kleiner Mensch, der am liebsten zwischen seinen Eltern schläft. Das Feuer der Liebe wird ein wenig auf Sparflamme geschraubt und aus einer wilden Nacht, mit jeweils ein paar Stunden Vor- und Nachspiel, wird ein zärtlicher Kuss auf die Wange. Die Liebe wird platonischer, als Platon es je geplant hat.

geteiltes Leid

Schließlich ist es harte Arbeit, Eltern zu sein. Im Morgengrauen wecken uns die Kinder bereits, tagsüber verwüsten sie die Wohnung und müssen in einer Endlosschleife immer wieder zur Ordnung gerufen werden und Abends fallen Papa und Mama längstens zwei Stunden nach den Kindern die Augen zu. Romantik hat in so einem Leben als Eltern keinen Platz und für Vieles mehr fehlt Abends Energie und Motivation. Man redet viel miteinander und es sind gute Gespräche, aber das zentrale Thema sind nun einmal die Kinder. Krankheiten, Geburtstage, Ausflüge, Fototermine, Ticks und neue Fähigkeiten der Kleinen werden besprochen und über nette Anekdoten gelacht. Dann darf jeder noch ein wenig über seinen Tag erzählen und das wars für heute.

Liebesbeweis

Alleine die Tatsache, dass man unter diesen widrigen Umständen noch immer ein Paar bleibt, ist schon ein großer Liebesbeweis. Die eigenen Bedürfnisse zurückschrauben und die Rolle Partner , oder Partnerin in den Hintergrund stellen um Platz für die Rolle Mama, oder Papa zu machen ist selbstverständlich. Also lebt man in der unterdrückten Liebe mit der unterdrückten Leidenschaft und investiert die ganze Energie in die Kindererziehung. Nichts ist den Kleinen heilig und vor nichts schrecken sie zurück. Sie platzen mitten in der Nacht ins Schlafzimmer, oder schlurfen schlaftrunken ins Wohnzimmer. 24 Stunden täglich kann plötzlich ein Kind in der Tür stehen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für eine entspannte Zweisamkeit. Die Liebestöter machen ihrem Namen alle Ehre.

Es glüht noch

Aber vollständig lässt sich Liebe, die stark genug ist um miteinander Kinder zu bekommen, nicht unterdrücken. Und es gibt sie, die Momente in denen die schwache Glut nocheinmal Wind zugeführt bekommt und ganz kurz heftige Flammen aus der glimmenden Liebe schlagen. Es trifft sich der Blick im richtigen Moment und in der richtigen Stimmung und schon ist alles, wie es früher war. Die Welt rundherum verschwimmt und das einzige, was man deutlich vor sich wahrnimmt ist der Partner. Die vertrauten Augen, das geliebte Gesicht und darauf ein Gesichtsausdruck, den man viel zu selten sieht. Man will verharren, für immer diese Stimmung genießen, die Liebe aufsaugen und vielleicht noch den einen, oder anderen Schritt weitergehen. Mitten in dieser Stimmung kommt es, wie es immer kommt. Ein Kind fällt vom Stuhl, oder läuft vor den Schrank, ein Streit um ein wertvolles Teil entbrennt, oder einer der Kleinen hat seinen Stuhlgang mit großem Erfolg absolviert und schreit jetzt um Hilfe.

Buschfeuer

Und weg ist der Moment. Der Blick, der bis ins Herz sieht und das Innerste unseres Partners offenbart. Das Gefühl, das heiß in uns aufsteigt und uns einfach nur zufrieden macht und auch noch Etwas, was man sonst im Alltag mit kleinen Kindern schon fast vergessen hat – Ungeahnte Lust, Lust auf den Partner, Lust darauf einmal aus der Elternrolle zu entfliehen, die Tonnen an Verantwortung, die auf unseren Schultern lasten, und alles andere einfach mal abzulegen und zu schauen, wie es sich entwickelt. Die Pläne, Termine, Pflichten und die Befürfnisse unserer Kinder einfach mal eine Weile vergessen, sie ignorieren und sich davon befreien. Unbeschwert sein und sich selbst einmal in den Mittelpunkt der Interessen rücken. Aber das geht meist nicht. Die Kinder sind auf uns angewiesen. Diese Pflicht können wir nicht ablegen. Als Eltern hat man keine Zeit für sich.

Aber manchmal doch

Aber hin und wieder muss es sein. Trotz der Müdigkeit und der Tatsache, dass wir beide ausgelaugt sind, wenn die kleinen Liebestöter endlich schlafen, ist die Stimmung noch nicht ganz verebbt. Der richtige Blick, oder das richtige Wort reicht aus und schon schlagen die Flammen wieder hoch.

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