Wahl ohne Qual beim Steine sammeln

Ist man mit kleinen Kindern unterwegs und hat man keinen Termin und lässt sie einfach machen, dann kommt man meistens nicht wirklich voran. Das Problem ist, dass die Kinder viele alltägliche Dinge unglaublich interessant finden und wegen jeder Kleinigkeit stehen bleiben. Es ist immer wieder toll zu beobachten, wofür die Kinder sich interessieren. Das sind meistens ganz normale Dinge, wie Steine sammlen, der sie sehr lange beschäftigen kann.

kein Stress

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie viel Zeit sich meine Kinder für etwas nehmen. Als Erwachsener ist man gewöhnt von Termin zu Termin zu hetzen und daran zu arbeiten, sein Tagesgeschäft über die Bühne zu bringen. Kinder leben im Hier und Jetzt. Eigentlich eine wunderbare Eigenschaft! Die Dinge brauchen einfach solange, wie sie brauchen und es wird nicht darüber nachgedacht, dass vielleicht noch Arbeit wartet, oder ein Termin ansteht. Jetzt momentan sind 100 Prozent der Aufmerksamkeit komplett auf eine einzige Sache fokusiert.

Ich glaube, das ist es, was Kinder so unbeschwert wirken lässt. Sie planen nicht und haben deswegen nie ein schlechtes Gewissen. Je älter sie werden, desto größer wird die Belastung mit Vorhaben und Plänen und auch relativ kleine Kinder arbeiten auf etwas hin.

Altersunterschiede

Während die Älteste der drei mit ihren fünf Jahren schon eine Vorstellung von gestern, heute und morgen hat, so lebt die Kleinste noch komplett ungeplant in den Tag hinein. Sie hat einen Tagesablauf, den sie gerne mag und den sie gewohnt ist, aber auch wenn man etwas völlig anderes unternimmt, so ist ihr das weitgehend egal. Man bringt sie irgendwo hin und setzt sie z.B. im Park in den Sandkasten. Fertig, sie macht das Beste draus und denkt herrlich wenig darüber nach.

Je älter die Kinder werden, desto größer wird die Last, die sie mit sich herumschleppen. Sie freuen sich auf bestimmte Programmpunkte und beginnen Dinge zu hinterfragen. Gesamt steig dadurch die Unzufriedenheit. Statt aus dem Moment das Beste rauszuholen wird darüber gejammert, dass man lieber etwas anderes machen würde.

Lineare Verschlimmerung

Das Traurige daran ist, dass sich diese Unzufriedenheit, oder eigentlich der Verlust der Unbekümmertheit sich über die Jahre, bis zum Erwachsenen immer weiter fortsetzt. Statt entspannt auf einer Parkbank zu sitzen und die spielenden Kinder beim Steine sammeln zu beobachten raucht unser Hirn. Wir sind geistig schon 3 bis 239 Schritte weiter und gar nicht so richtig bei der Sache.

Von meiner Kleinsten kann man so gesehen noch allerhand lernen. 🙂

Simples Vergnügen

Heute war ich mit meinen drei Kindern im botanischen Garten und habe den Schatten unter den großen Bäumen genossen. Dabei hatte ich keine Eile und hab die Kleinen einfach machen lassen. Ich bin meist daneben gestanden und habe die Kinder beobachtet. Meine Kleinste war, wie immer, sehr zufrieden mit der Situation und hat sich mit Steine sammeln beschäftigt. Auf den Kieswegen im Park hat sie dafür ja jede Menge Material.

Beim Beobachten ist mir irgendwann aufgefallen, dass sie beim Steine sammeln zwei Strategien hat. Entweder die greift sich eine komplette Handvoll und wirft die Kieselsteine durch die Gegend, nachdem sie sie ein paar Meter mit sich herumgetragen hat, oder aber sie wählt genau einen einzelnen kleinen Kieselstein aus, den sie aufhebt.

Steine sammeln für Fortgeschrittene

Das Aufheben eines einzelnen Steins finde ich total faszinierend. Sie steht auf einem Kiesweg mit wahrscheinlich etlichen Millionen Kieselsteinen, wählt aber genau einen einzelnen aus, nach dem sie unbeirrt greift. So etwas habe ich auch schon bei den anderen Beiden beobachtet. Speziell mein Sohn hat einen Hang zum Steine sammeln und verfolgt dabei auch eine interessante Strategie. Er teilt seine Steine scheinbar in drei Kategorien. Manche Steine sammelt er um sie wegzuwerfen. Gerne auch eine größere Menge gleichzeitig. Andere Steine sind es im Wert im Kinderwagen, den wir immer mithaben, zu deponieren. Einen Unterschied zwischen den beiden Kategorien habe ich noch nicht verstanden. Die dritte Kategorie sind Steine, die er mitnimmt und nicht mehr loslässt. Auch diese Steine haben keine deutlichen Eigenschaften.

Kategorie A – Steine

Die besonderen Steine sind meistens so etwas ein bis zwei Centimeter groß, aber ansonsten ganz normale Kiesel. Aus irgendeinem Grund sind diese Steine für meinen Sohn etwas Besonderes und diese Steine sind auch die einzigen, die es bei uns in die Wohnung schaffen. Ich entsorge sie dann von Zeit zu Zeit, wenn er das Interesse verliert, aber die Tatsache, dass er und auch seine kleine Schwester ganz klare Unterschiede zwischen normalen und speziellen Steinen erkennen, die mir verborgen bleiben finde ich hochinteressant. Wahrscheinlich bin ich als Erwachsene viel zu abgeklärt und weiß einfach, dass die Steinchen am Kiesweg wertlos und eben nur Kieselsteine sind. So entgeht mir ganz offensichtlich etwas, was meine Kinder noch wahrnehmen. Für sie ist jeder Stein etwas Einzigartiges und manche sind einfach toller als andere.

Schade um diesen Blick, den ich wohl irgendwann verlernt habe. Ich übersehe scheinbar viel Schönes, weil ich glaube alles zu kennen und zu wissen. Statt die einzelnen und einzigartigen Steine zu erkennen, sehe ich nur noch den Kiesweg aus wertlosem Schotter.

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