Windeleimer des Schreckens

Je nach der Verdauung der Kleinen braucht man zwischen 6 und 10 mal täglich eine frische Windel. Sind die Kinder klein, sind die Inhalte der Windel noch ganz toll. Auch wenn das da eben aus dem Po des Kleinen gekommen ist, ist der Ekelfaktor die ersten paar Wochen gleich Null. Das ändert sich rasant, wenn der Speiseplan mehr als einen Eintrag hat. Was will man aus Muttermilch schon Schlimmes machen? Später ist der Windeleimer dann ein Hort des Grauens.

Shit happens

Ja, der Spruch ist und bleibt einfach die Wahrheit und auch wenn keiner weiß, wo er herkommt, so kennt man die eigentliche Wurzel des Spruches nur zu gut, wenn man ein kleines Kind mit Windeln daheim hat. Ach, wie süß war das noch, als die Kleinen kurz verharrten und mit leicht gerötetem Gesicht eine winzige Handvoll süßlich riechenden Stuhls absetzten. Ein wahrer Genuß sie zu wickeln, auch wenn das Zeug schon hin uns wieder eine kleisterähnliche Konsistenz angenommen hat. Der Geruch zählt und so wie Alles ist auch der bei den Kleinsten einfach nur süß und lieb und schön und zum Knuddeln. Aber dann!

Mahlzeit

Dann kommt das dicke Ende. Aus Brust wird Gläschen, aus Gläschen wird leichte Kost und aus leichter Kost wird Sauerkraut, Bratwurst, Schnitzel, Käse und Wurst aller Art und vieles, was die Küche sonst noch hergibt. Was unsereins nach so einer Mahlzeit dann aus gutem Grund hinter verschlossenen Türen im Tiefspüler versenkt und mit angehaltenem Atem mit Duftspray zu überdecken versucht, das ist bei den Kleinen eine Sache, von der jeder im Umkreis von 100 Metern und bei Wind noch etwas weiter, etwas hat. Die Motivation, die Kinder windelfrei zu bekommen steigt mit jeder Portion, die die Windel an ihre Belastungsgrenzen bringt. Als Mutter lernt man in dieser Zeit, dass man sich einen Würgereflex abtrainieren kann. Wer das nicht lernt, über den möchte ich jetzt auch nicht bloggen und Euch den Appetit verderben. Das arme Kind.

olfaktorische Raketenwissenschaft

Der Mensch unterscheidet sich nun mal vom Tier, also haben wir, oder schlaue Mitmenschen, den Windeleimer erfunden. Eine Wohltat für die gequälte Nase und die wahrscheinlich einzige Alternative dazu, die Windel abseits bewohnter Gebiete in einem tiefen Loch zu vergraben, um den Geruch zumindest etwas zu dämpfen. Die Technologie dahinter ist theoretisch einfach. Die Aufgabenstellung ist die Trennung zwischen atembarer Luft rund um den Eimer und die sprichwörtliche Hölle innerhalb des Windeleimers. Das Prinzip haben Dan Aykroyd und seine Freunde 1984 erstmals im Film Ghostbusters angewandt. Statt grünen Schleimern fängt man im Windeleimer allerdings unappetitlichere Zeitgenossen.

Schwachstelle im Design

Es gibt allerdings eine absolut entscheidende Schwachstelle im Design des Windeleimers. Die Entwickler und Hersteller bemühen sich redlich ein luft- und stinksicheres System zu liefern bei dem es zu keinem Luftaustausch mit dem bösem Innenleben kommt. Auch der ausführlichste Windeleimer Test beschäftigen sich nur mit dem Befüllen der Windeleimer. Klar ist das wichtig und natürlich will man nicht ständig einen Hauch von Bääh im Badezimmer haben, aber auch wenn der größte Haufen unbemerkt im Windeleimer vor sich hin duftet und niemand außerhalb des Windeleimer es bemerkt, so darf man sich nicht zu früh freuen. Irgendwann ist auch der beste Windeleimer voll.

Verdammt

Ja, da führt kein Weg dran vorbei und wenn es für die eigene Stimmung und die Beziehung zu den Nachbarn wohl das Beste wäre den Windeleimer so wie er ist zu entsorgen, so gibt es doch wirtschaftliche und ökologische Gründe dafür ihn mehrfach zu verwenden. Wenn also die letzte Stinkbombe im luftdichten Bauch des Windeleimer versenkt wurde, dann kommt die traurige Pflicht. Wer die Szene in Indiana Jones gesehen hat, in der die Bundeslade geöffnet wird, der hat ein ungefähres Bild zu dem Gesichtsausdruck, der sich ganz automatisch einstellt, wenn man den Deckel öffnet. Ja, die Hersteller bemühen sich und natürlich gibt es Windeleimer, die dicht halten, aber dass das nun mal nur solange klappt, bis man den Eimer öffnet, ist trotz aller Bemühungen der Hersteller logisch.

Neue Freunde finden

Je nach der Wohnsituation ist es dummerweise bei den meisten Menschen noch nicht damit getan, den Sack aus dem Windeleimer zu holen und eine neuen einzulegen. Zwar drehen gute Windeleimer die Windel in einem Folienschlauch ein und der frische würzige Duft bleibt aus, aber ein paar der Duftnoten arbeiten sich mit der Zeit durch die Plastikfolie. Unangenehmer weise sind es meist die fiesesten der Düfte, die sich durcharbeiten. Der Windelschlauch hat einen charakteristischen Duft. Auch wenn die Windeleimertechnologie Fortschritte gemacht hat, bist Du mit einem Sack Windeln im Lift unterwegs, dann wirst Du selten neue Freunde finden.

Ehrenrettung

Man sollte den Erfindern der Windeleimer tatsächlich danken. Nicht auszudenken hätte man einen Berg Windeln im Badezimmer gelagert, oder müsste mit jeder Windel einzeln zum Mülleimer Viele Windeleimer sind wahre Wunderwerke der Technik und reduzieren das Geruchserlebnis auf ein erträgliches Maß. Windel riechen nun mal nicht nach Rosen.

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