Windelfrei – 1.300€, oder mehr sparen?

Meine Kleinste wird bald 2 Jahre alt. Sie trägt Einwegwindeln. Nachdem ihr Bruder Anfang des Jahres, nach seinem dritten Geburtstag sauber geworden ist, ist sie momentan die einzige, die gewickelt werden muss. Die anderen tragen nur Nachts Windel. Sie setzt sicht aber sehr gerne auf die Toilette. Heute habe ich deswegen ein wenig recherchiert und bin auf das Thema Windelfrei gestoßen.

Windelfrei von Geburt an

Es ist schon sehr interessant und ein bisschen romantisch, was ich gelesen habe. Es gibt offensichtlich Eltern, die ihre Kinder ohne Windel großziehen. Von Geburt an sind die Kleinen windelfrei und werden abgehalten, also über die Toilette, oder einen Eimer gehalten. Aus dem Verhalten der Kleinen erkennt man, dass etwas im Anmarsch ist. Das Kind wird dann einfach abgehalten und kann sich erleichtern. Die Vorteile liegen auf der Hand. Eine Windel kostet etwas mehr als 20 Cent. Rein wirtschaftlich rechnet sich das also auf jeden Fall. Man kann zwischen einem und zwei Euro pro Tag sparen.

Geht man davon aus, dass das Kind bis zum dritten Geburtstag jeden Tag 6 Windeln benötigt, dann kosten die Windeln bis dahin zwischen 1.300 und 1.900€. Das sind rund 50€ pro Monat. Windelfrei bedeutet aber auch, dass man weniger Müll produziert. Die Wegwerfwindel nehmen zumindest sehr viel Platz im Müll ein. Heute sind die Windeln nicht mehr mit Plastik überzogen, aber trotzdem sicher eine Belastung für die Umwelt.

Natürlich

Befürworter von windelfrei argumentieren mit Beispielen aus dem Tierreich, erwähnen Naturvölker und Asien, oder verweisen auf die Vergangenheit. Windelfrei soll natürlicher sein und dem Kind helfen, seine Ausscheidungen rasch in den Griff zu bekommen. Welpen sind nach kurzer Zeit stubenrein, Naturvölker kennen natürlich keine Windeln, genauso wie angeblich auch chinesische, japanische und indische Kinder. Dort soll es eigene Hosen mit einem mächtigen Schlitz geben. Steht das Kind aufrecht, dann ist der Schlitz fast geschlossen. Geht es in die Hocke, dann kommt der Po an die frische Luft und das Kind kann unkompliziert Stuhl und Harn abgeben. Auch früher haben unsere Vorfahren ohne Windel gelebt. Befürworter sind sich sicher, dass jedes Kind von Geburt an ein Gefühl für seine Ausscheidungen hat. Pinkelt ein Kind am Wickeltisch, dann nur deswegen, weil es endlich keine Hose mehr anhat und nicht, weil es sich nicht unter Kontrolle hat.

Eine besondere Beziehung

Eltern, die ihre Kinder windelfrei erziehen, erkennen am Verhalten, wenn das Kind mal muss. Es wird unruhig, oder hört auf zu trinken und es sucht Augenkontakt. Das ist das Signal das Kleine abzuhalten. Klingt ganz wunderbar. Im völligen Einklang mit dem Kind und seine Bedürfnissen zu sein, ist sicher ein Idealbild. Geht man mit dem Kind mal raus, oder schläft es, dann kann man ja trotzdem eine Windel anlegen. Eigentlich eine verlockende Idee. Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie das in der Praxis funktionieren soll. Muss man dazu 24h darauf warten, dass das Kleine das übliche Signal gibt? Glaubt man den Eltern, die ihre Kinder erfolgreich und windelfrei erziehen, dann geht es selten in die Hose. Die Kinder scheinen rasch zu lernen, dass es unangenehm ist, in die Hose zu pullern.

Stoff, oder Wegwerf

Ich habe heute einiges zu dem Thema gelesen. Es gibt ganze Websiten zum Thema windelfrei und auch viele Bücher. Vieles von dem, was ich gelesen habe erscheint mir logisch. Einerseits ist es nicht wirklich unangenehm in einer High-Tech-Windel zu sitzen. Gut, hat das Kind eine ordentliche Ladung Stuhl abgegeben, dann sicher, aber der Urin wird von der Windel, dank moderner Ingenieurskunst, kurzerhand aufgesaugt.

Die ideale Voraussetzung um dem Kind das Gefühl dafür abzutrainieren. Bleibt Pullern in die Hose ohne spürbare Folgen, dann denkt man irgendwann nicht mehr nach. Bei Stoffwindeln sieht die Sache schon anders aus. Die Kinder bekommen unmittelbar die Rechnung für das Pinkeln präsentiert. Es ist unangenehm und sicher ein Grund, die Windel loswerden zu wollen. Durch den hohen Aufwand mit Windeln waschen und dem Windelwechsel selbst, begünstigt die Verwendung von Stoffwindeln auch den Willen der Eltern, das Kind rein zu bekommen.

Wegwerfkomfort

Durch den hohen Komfort für Mutter und Kind bietet die Wegwerfwindel eine gute Basis für jahrelanges Windeltragen. Windelfrei baut darauf, dass es dem Kind unangenehm ist, nass zu sein. Also wartet es, bis es abgehalten wird. Bleibt die Wegwerfwindel fast staubtrocken, dann fehlt die Motivation. Die Folge sind Windelgrößen, die früher niemand gebraucht hätte. Heute ist es nicht ungewöhnlich, dass Kinder erst sehr spät sauber werden. Der Prozess ist schwierig. Die Kinder haben wenig Gefühl für ihre Ausscheidungen und die Eltern haben wenig Motivation das bequeme Windelwechseln gegen eine lange Phase mit häufigem Bettwäsche-waschen zu tauschen. Die Folge sind Windelgrößen bis zu einem Gewicht von 35kg, die man heute kaufen kann und eine ganze Industrie rund um das Thema Windelausschlag.

Alternative

Bloggen ist eine tolle Sache und ich kann es wirklich nur jeder und jedem wärmstens empfehlen. Das sitzt man entspannt vor dem PC und knetet einen Gedanken einmal so richtig durch. Ein (nicht ganz) innerer Monolog. Oft ist das Ergebnis für mich sehr überraschend. So denke ich eben natürlich über das Thema windelfrei nach und mir wird bewußt, dass es bei mir tatsächlich so ist, dass ich den Kindern zur Sicherheit Windel anlege. Allerdings ist das eher meine Sicherheit, denn ich möchte nicht jeden Morgen das Bett neu beziehen müssen.

Dass ich meinen Kindern damit die Chance nehme, das Erlebnis des Sich-Anpinkelns zu haben und daraus zu lernen, wird mir langsam bewußt. Vielleicht ist windelfrei tatsächlich eine Alternative zum normalen Ablauf mit den Wegwerfwindeln. Eigentlich habe ich den Beitrag mit dem Gedanken begonnen, dass es nicht durchführbar ist. Ich habe einfach nicht die Zeit, ständig auf Signale meiner Kleinen zu hören.

Gib Dir einen Ruck

Stimmt die Theorie, dass Kinder allein durch die Tatsache, dass sie nass werden lernen, auf Toilette zu gehen, dann bringt das einen neuen Aspekt in das Sauberwerden der Kinder. Versuche ich, mein Kind windelfrei durch die Wohnung laufen zu lassen und es passiert ein Mißgeschick, dann ist der erste Reflex, dem Kind sofort wieder eine Windel anzulegen. Eigentlich grundverkehrt. Richtig wäre wahrscheinlich dranzubleiben und nach dem Motto „jetzt erst recht“ das Kind weiter windelfrei laufen zu lassen. Genauso nachts. Man könnte die Kinder windelfrei schlafen lassen und darauf bauen, dass sie rasch lernen, dass es keine schöne Sache ist, das Bett einzunässen. Ich werde das einmal probieren.

Windelfrei?

Ein Glück, dass ich meine Familienplanung abgeschlossen habe. Es wäre wahrscheinlich tatsächlich einen Versuch wert, das Kind windelfrei aufwachsen zu lassen. Eine Schlitzhosen muss es nicht unbedingt sein und auch in vielen Situationen, wie einer Busfahrt kann man sicherheitshalber eine Windel verwenden, aber das Kind daheim windelfrei krabbeln und laufen zu lassen ist sicher zu überlegen. Es spricht, zumindest theoretisch, tatsächlich Einiges dafür und nur die Bequemlichkeit dagegen.

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