Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich werde nie die Momente vergessen, in denen ich meine Kinder das erste Mal im Arm hielt. Beim ersten Kind ist es noch eine völlig neue Erfahrung. Der Geruch, die Wärme, die zarte Haut sind einfach entzückend. Als Mutter kann man sein Glück nicht fassen. Auch bei den folgenden Kindern ist es immer wieder ein überwältigendes Gefühl. Man trägt Tag für Tag einen zweijährigen, stabilen kräftigen Jungen durch die Gegend und plötzlich hat man ein 3 Kilogramm schweres Mädchen in Händen. Schnell gewöhnt man sich an das Leichtgewicht und will es nie wieder loslassen. Doch dann kommt die Nacht. Nach einer stundenlangen Geburt ist man in der ersten Nach vielleicht noch froh, dass die Pfleger das Kind mitnehmen und man sich ein paar Stunden erholen kann. Am nächsten Tag wird das Band zwischen Mutter und Kind aber stärker. Geht man dann nach ein paar Tagen heim, kommt auch hier der Moment, wo das Kleine in sein Bettchen soll. Die Chancen stehen gut, dass man das nicht übers Herz bringt und man den Grundstein für eine lange Ära Bedsharing legt.
Ein Wagen mit 7 Rädern
Das Elternbett trägt seinen Namen, weil es ursprünglich mal für die Eltern gedacht war. Es hat zwei Seiten, auf denen jeweils ein Elternteil schläft. In der Mitte ist Platz für Berührungen, Zärtlichkeiten und einfach mal Paarzeit. Mit der Geburt des ersten Kindes kann sich das ändern. Das Kind belegt physisch und metaphorisch den Platz zwischen den Eltern. Da wo die Paarzeit stattfindet, man sich um die eigenen Bedürfnisse und die Partnerschaft gekümmert hat, liegt plötzlich ein kleiner Mitschläfer im Elternbett, das diesen Namen dann auch nicht mehr verdient. Es wird zum Familienbett. Ein Konzept, das es schon sehr lange gibt, das aber in unserer Zeit nicht uneingeschränkt positiv gesehen wird. Das Kind als fünftes Rad am Wagen verändert nicht nur die Bestimmung des Elternbetts, sondern startet eine Entwicklung, die mit jedem Geschwisterkind fortgesetzt wird. So wird aus dem fünften Rad schnell ein sechstes, oder siebtes.
Stabile Fehlkonstruktion
Ein Wagen mit 7 Rädern gefällt mir als Bild für das Familienbett sehr gut. Es ist eigentlich nicht notwendig mehr als 3 Räder an ein Fahrzeug zu montieren. Das vierte verleiht Stabilität in Kurven. Man braucht die zusätzlichen drei Räder nicht, damit der Wagen rollt und in der Spur bleibt. Man könnte natürlich sagen, dass zusätzliche Räder Komplikationen, Wartungsaufwand, zusätzlichen Verschleiß und ein verändertes Fahrverhalten mit sich bringen. Gleichzeitig kann man aber auch sagen, dass 7 Räder unter einem Wagen eine unglaubliche Stabilität geben. Auch wenn vier der Räder platt sind, rollt er weiter und nichts kann ihn aus dem Gleichgewicht bringen. Bedsharing hat genauso positive und negative Seiten. Die Entscheidung dafür, oder dagegen, ist gar nicht so leicht.
Das Killerargument
Steigen wir gleich einmal mit dem einen und wichtigen Argument gegen das Familienbett in die Diskussion ein, dann haben wir es hinter uns. Das Familienbett wird von Experten als mögliche Ursache für den plötzlichen Kindstod angeführt. Warum Babys im ersten halben Lebensjahr plötzlich sterben, ist unklar. Vermutet wird eine Kombination aus mehreren Faktoren. Auf der einen Seite kann es eine körperliche Ursache, wie unreife Atemregulierung, oder ein neurologisches Problem geben. Auf der anderen Seite geht die Wissenschaft davon aus, dass es an einer weichen Matratze, an Bauchlage und an Überwärmung liegen könnte. Die These ist also, dass das Kind zwischen den Eltern auf dem Bauch auf einer weichen Matratze liegt und durch die Körper der Eltern gewärmt wird. Deswegen wird das Bedsharing von allen Seiten für Kinder unter 4 Monaten nicht empfohlen. Das ist eine Tatsache, die man nicht mit all den positiven Seiten wegdiskutieren kann und die man auf keinen Fall verschweigen darf!
Bedsharing in der Praxis
Der plötzliche Kindstod ist ein Phänomen, das Eltern weltweit in Angst und Schrecken versetzt. Will man sein Kind im Elternbett schlafen lassen, dann muss man sich damit auseinandersetzen. In den ersten Wochen und Monaten sollte das Kind auf keinen Fall zwischen den Eltern schlafen. Ein kleines Beistellbett, in dem es direkt neben der Mutter schlafen kann, ist die beste Lösung. Wird es gestillt, muss man es nur ein kleines Stück zu sich heranziehen. Danach kommt es wieder in das gut belüftete Bettchen und liegt auf einer ausreichend harten Unterlage. Die Zeiten ändern sich allerdings und das Risiko für SIDS – das Sudden Infant Death Syndrome – nimmt rasch ab. Auch passt das Kind nach ein paar Monaten auch nicht mehr in das Beistellbettchen. Dazu kommt, dass es mobil wird und sich dorthin bewegt, wo es sein möchte. Jetzt ist der Zeitpunkt, zu dem man entscheiden muss, ob man die nächsten Jahre zu zweit, oder in Kleingruppen schlafen möchte. Mit dem Thema Kinder im Familienbett setzen sich früher oder später alle Eltern einmal auseinander. Es gibt zahlreiche Argumente. Am Ende muss jeder die Frage für sich selbst beantworten.
Familienbett
Der Begriff Familienbett beschreibt das ehemalige Bett der Eltern, das bei jeder Geburt um einen nächtlichen Gast erweitert werden muss. Ist man stolzer Besitzer eines 2 Meter breiten Bettes, dann können das schon 5, oder mehr Personen werden, die in der vorgesehenen Lage im Bett liegen. Je schmäler das Bett der Eltern ist, umso kreativer muss man bei der Schlichtung der Schlafenden werden. So erzählt mein Mann immer wieder, dass sein älterer Sohn in gerne mal mit einem Tritt geweckt hat. Er ist immer quer über die Kopfkissen am Kopfende des Bettes gelegen. Hat er unruhig geschlafen, war es gefährlich für den Elternteil, der das Fußende des Kindes über sich hatte. In den meisten Fällen findet sich ein Weg, auch ohne Tetris-Expertenskills, eine mittelgroße Familie in ein durchschnittliches Doppelbett zu schlichten.
Was spricht für Bedsharing
Kaum hat man sein Kind auf dem Arm, merkt man, dass es sich dort am wohlsten fühlt. Die Kleinen suchen die Nähe zu den Eltern und genießen den Körperkontakt. Nicht alle ihre Sinne sind schon einsatzfähig, aber sie spüren deutlich, wenn man sie in den Arm nimmt. Sie mögen die Berührung und die Wärme und auch die Geräusche, die Mama, oder Papa machen. Im Bauch lernen sie die Geräuschkulisse kennen. Ihr Leben dort beginnen sie mit ständigem Kontakt zur Mutter. Nach der Geburt sind sie plötzlich allein. Eine Situation, die sie so noch nie erlebt haben und die ihnen nicht immer gefällt. Es liegt also auf der Hand, dass die Kleinen die Nähe, die sie beim Bedsharing bekommen, mögen. Außerdem ist es schlichtweg unglaublich praktisch, wenn der Zwerg eine Brustweite entfernt schläft. Zum Stillen musste ich nicht einmal aufwachen. Ganz automatisch wurde gestillt. Mit diesem Satz habe ich mich auch schon geoutet. Meine Kinder schliefen jahrelang in unserem Bett und noch heute schlafe ich gerne bei ihnen ein. Das Bedsharing ist für mich eine wichtige Möglichkeit, qualitative Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.
Der Preis der Nähe
Allerdings hat das Familienbett auch Nachteile. So wie die Kinder es schätzen, dass Mama innerhalb einer Sekunde zur Stelle ist, so anstrengend ist es für die Eltern. Gut, in unserem Fall nur für mich, weil mein Mann hat einen ausgesprochen tiefen Schlaf. Aber ich musste doch ein paarmal pro Nacht ausrücken. Anfangs um die Kleinen zu stillen, oder sie zu beruhigen, wenn sie aufwachen, später dann auch um Durst und Hunger zu stillen, oder brennende Fragen zu beantworten. Mein Mann hat die erste Zeit unsere jüngste übernommen. Mein Sohn hing sehr an mir und sie war das erste und einzige Kind, das unter keinen Umständen gestillt werden wollte. Wir haben alles versucht, aber sie wollte nicht. Bis heute ist sie übrigens unbeirrbar in ihrem Willen. Mein Mann sah darin die Chance auch mal die Stillzeit zu erleben. Also hat er es sich mit ihr auf unserer Schlafcouch gemütlich gemacht. Sie hatte dort eine sichere Ecke und er hat nicht weit weg geschlafen. Schläft man Mann, dann schläft er. Zwar hat er so etwas wie Mutterinstinkte entwickelt und ihr zuverlässig ihre Flaschenmahlzeiten verabreicht, abseits davon hat er aber, außer mit Schnarchen, nicht auf die Kleine reagiert. Die Folgen waren deutlich zu sehen. Nach 2, oder 3 Monaten kam er dann verwundert zu mir und hat mir erzählt, dass die Kleine problemlos durchgeschlafen hat. Gleichzeitig hatte ich weiterhin anstrengende und oft fast schlaflose Nächte mit dem zwei Jahre älteren Bruder.
Schwere Entscheidung
Man muss also abwägen, ob das Bedsharing das richtige Konzept ist. Vielleicht ist die Variante Tiefschlaf eine gute Option? Also nebeneinander schlafen, aber nicht auf jeden Schluckauf, oder tiefes Atmen reagieren. Im Rückblick würde ich sagen, dass es meinen Kindern nicht geschadet hat. Gleichzeitig sehe ich bei der Kleinsten, dass sie auch keinen gewaltigen Vorteil ihr gegenüber haben. Sie ist eine grundlegend andere Persönlichkeit als die beiden anderen. Man kann aber nicht sagen, ob sie das deswegen ist, weil sie früh durchschlafen lernen musste, oder ob sie das frühe Durchschlafen unabhängig entwickelt hat. Ich denke, es ist einfach ihre Mentalität. Sie war schließlich schon im Kreißsaal völlig anders, als ihre Geschwister. Was das Schlafen im Familienbett angeht, sehe ich es als eine gute Entscheidung. Die Zeit, in der die Kinder uns Eltern ehrlich brauchen und unsere Nähe genießen, vergeht schnell. Ehe man sich versieht, ziehen sie aus und leben ihr Leben ohne uns. Die körperliche Nähe, die man beim Bedsharing hat, ist ein unwiederbringlicher Schatz. Auch wenn ich meine älteste Tochter in den Arm nehme, wenn sie mich besucht, verbringe ich wohl nie wieder eine Nacht neben ihr. Das ist gut so, aber warum sollte man auf diese wichtige und unglaublich schöne Phase verzichten?
Chancen und Gefahren
In jedem Fall muss die Sicherheit und die Gesundheit des Kindes über dem Bedürfnis nach körperlicher Nähe stehen! Das bedeutet, dass in den ersten Monaten unbedingt auf die Gefahr durch SIDS berücksichtigt werden muss. Ein Baby zwischen zwei Erwachsenen, zwischen hohen Kissen und unter einer Decke ist in unnötiger Lebensgefahr. Das kann man nicht leugnen. Später, wenn das Kind älter und mobiler ist, ist es eine Überlegung wert, die Chance auf eine wunderschöne Zeit im Familienbett zu nutzen. Die Möglichkeit, jede Nacht stundenlang mit dem Kind zu kuscheln, ist einzigartig. Das gibt es später im Leben nicht mehr. Der Preis dafür ist die Zeit, die die Eltern miteinander im Bett verbringen. Die Beziehung kann in dieser Zeit stark belastet werden und man muss sich aktiv um das kümmern, was sich vor den Kindern automatisch ergeben hat. Kleine Momente der Zärtlichkeit treten an die Stelle einer Nacht in den Armen des geliebten Menschen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Zeit wieder kommt. Achtet man auf die Beziehung zum Partner auch über die Zeit, in der Bedsharing an der Tagesordnung steht, dann wird sie stärker und stabiler. Gleichzeitig wächst auch die Bindung zu den Kindern.
Und jetzt?
Ich kann niemanden einen konkreten Rat geben. Jede und jeder muss für sich entscheiden, wie mit dem Spannungsfeld zwischen Beziehung und Elternschaft umgegangen wird. Isoliere ich die Sicht auf die Kinder, dann ist die Entscheidung für mich persönlich klar. Ich persönlich würde immer wieder entscheiden, meine Kinder ins Familienbett zu holen. Blicke ich auf die Beziehung zu meinem Mann, oder meine Bedürfnisse nach Freiraum uns Selbstbestimmtheit, sieht es ganz anders aus. Für mich war die Nähe zu den Kindern, so wie für etliche andere Elternteile, in der Zeit wichtiger. Für mich war und ist klar, dass die Möglichkeit, mit den Kindern in einem Bett zu schlafen, irgendwann zu Ende ist. Die Beziehung zu meinem Mann wird auch noch da sein, wenn die Kinder nicht mehr im Familienbett schlafen. So gesehen lässt sich die Entscheidung ganz einfach begründen. In meinem Fall hat es auch funktioniert. Auch wenn ich immer wieder einmal im Bett meiner Tochter einschlafe und Nachts dann auch keine Lust mehr habe, das Bett zu wechseln, ist unser Bett wieder das Elternbett. Das mal eines der Kinder bei meinem Mann, bei mir, oder bei uns beiden schläft ist möglich, aber mittlerweile eine Ausnahme. Die Zeit mit den Kindern im Familienbett ist endlich und viel zu kurz. Für mich war die richtige Entscheidung, sie zu nutzen. Wie sieht das bei Dir aus?

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