England-Reise mit Kindern - Darauf muss man achten! auf kinderalltag.de

England-Reise mit Kindern – Darauf muss man achten!

Die Sommerferien dauern endlose 65 Tage. Was bei vielen Familien ein echtes Betreuungsproblem wird, verursacht bei uns ganz andere Probleme. Ich führe den Haushalt und bin sowieso daheim. Es ändert sich nur, dass plötzlich drei Kinder den ganzen Tag an meinem Arbeitsplatz herumhängen und ich meinen Alltag rund um sie gestalten muss. Normalerweise sind sie zumindest 5 Tage pro Woche Vormittags fremdbetreut und ich kann mich um den Haushalt kümmern. Es treffen also zwei Umstände aufeinander, die nicht optimal sind. Auf der einen Seite weniger Zeit, sich um den Haushalt zu kümmern, auf der anderen Seite drei kleine Menschen, die den Haushalt massiv beanspruchen. Eine schlechte Kombination, der wir gerne aus dem Weg gehen, indem wir kleine Reisen veranstalten. Zuletzt waren wir in England, was mehr Vorbereitung gebraucht hat, als gedacht.

Ferienprogramm

Die fast 10 Wochen, die die Kinder daheim sind, müssen irgendwie gefüllt werden. Es funktioniert sehr gut, dass sie sich ein paar Tage daheim beschäftigen. Dabei gibt es allerdings mit zunehmender Dauer immer mehr Probleme. Mein Sohn ist viel unterwegs. Er hat ein paar Freunde, mit denen er sich abwechselnd trifft. Je mehr davon in Urlaub sind, umso enger wird die Auswahl für ihn. Wenn er dann den fünften Tag in Folge mit demselben Freund dasselbe Programm macht, wird es langweilig. Die Jüngste ist ständig auf der Suche nach anderen Kindern, mit denen sie Zeit verbringen kann. Sie hat eine Handvoll lose Bekanntschaften mit überwiegend jüngeren Kindern. Innerhalb ihrer Klasse ist sie noch nicht so gut vernetzt, dass sie auch in den Ferien Freundinnen trifft. Sie reklamiert gerne lautstark, dass ihr langweilig ist, wenn niemand Zeit hat. Die Älteste hat viel Freude daran, den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Ihr Schlafrythmus ist komplett aus den Fugen geraten und sie ist zwischen 22h und 03h am aktivsten. Dafür darf man „morgens“ erst gegen 14h mit ihr rechnen.

Kurztrips

Unser Konzept dagegen sind Kurztrips. Da gibt es auf der einen Seite unser Ferienhaus in Ungarn. Dort kann man am Balaton, oder in einer Therme wunderbar Freizeit verbringen. Allerdings nutzt sich auch das schnell ab und die Kinder rebellieren, wenn wir das vierte Wochenende in Folge nach Ungarn fahren wollen. Anfang der Ferien sind wir immer 10 Tage in Italien. Für die restlichen acht Wochen setzen wir verschiedene Kurztrips an. So waren wir Ende Juli in Phantasialand bei Köln. Zuerst von Wien nach Leipzig mit dem Auto, dann dort den Zoo besucht und am nächsten Tag weiter nach Brühl. Nach einem Tag im Freizeitpark wieder Richtung Wien und noch eine Nacht in Nürnberg geblieben und auch dort den Zoo besucht. Zwischendurch waren wir auch noch zweimal im Kino. Ein mehr als dichtes Programm. Allerdings ist das genau in unserem Sinn. Je erschöpfter die Kinder sind, umso mehr genießen sie dann den Zustand, den sie vorher kritisiert haben. Wenn sie dann mal ein paar Tage nichts tun und einfach nur faulenzen, dann ist das ein guter Ausgleich. Aber es hält leider nicht länger als eine Woche an.

Timing

OK, also bleiben uns nach Italien acht weitere Wochen zu überbrücken. Vier Wochenenden davon kommen wir mit Ungarn durch. Bleiben vier weitere. Einmal waren wir in Phantasialand. Der Roadtrip hat nicht nur eine, sondern ganze zwei Wochen für Entspannung gesorgt. Danach ein Wochenende Ungarn mit Therme und Garten. Letzte Woche haben wir dann einen Kurztrip nach London gemacht. Zwar sind Flüge momentan recht teuer, aber wir haben nach einigem Suchen erschwingliche Optionen gefunden. Auch die Unterkunft ist nicht so günstig, wie in anderen Städten, aber das war es uns wert. Wir haben ein Familienzimmer gefunden, in dem wir zumindest ausreichend Platz hatten. Frühstück buchen wir nie dazu, weil wir es meistens bereuen. Die Kinder sind nach dem Aufwachen meist nicht hungrig, also schlendern sie lustlos am Frühstücksbuffet vorbei und knabbern ein wenig Rohkost, oder trinken einen Becher heiße Schokolade. Kaum ziehen wir los, bekommen sie dann Hunger. Also planen wir das Frühstück immer nach Bedarf und später ein.

Brexit

Sieht man sich die Routen der verschiedenen Fluglinien an, dann sieht England ziemlich normal und absolut erreichbar aus. Ob man nach Sophia, Rom, Paris, Amsterdam, oder London fliegt, scheint ziemlich vergleichbar. Allerdings gibt es seit etwa 6 Jahren einen entscheidenden Unterschied. Das vereinigte Königreich ist am 31.01.2020 aus der Europäischen Union ausgetreten und nach einer Übergangsphase jetzt etwas, das wir mitten in der EU fast nicht mehr kennen. Ein Land, für das man sich mit Einreisebestimmungen auseinandersetzen muss. Mein Mann, traditionell unser Reiseleiter und Planer der Kurztrips, musste hier auf zwei Ebenen organisieren. Er sucht einen passenden Termin im Familienkalender, an dem keine wichtigen anderen Dinge zu erledigen sind. Den synchronisiert er dann mit Flugpreisen und findet über mehrere Portale die beste Flugvariante. Direktflüge, Umsteigen, Abflughafen und etliche andere Details prüft er oft über Wochen, bis er bucht. Auch die Suche nach der Unterkunft ist eine große Aufgabe. Bei England kommt allerdings eine zusätzliche Planungsdimension hinzu.

ETA — Electronic Travel Authorisation

Zum Glück ist mein Mann beim Buchen von Reisen sehr erfahren. Er organisiert oft auch Geschäftsreisen. Davon profitieren wir als Familie ungemein. Außerdem investiert er jede Menge Energie in die Planung und macht nur in Notfällen Abstriche von seinen Anforderungen. Also sind öffentliche Verkehrsmittel fußläufig von Hotel zu erreichen, der Transfer vom Flughafen problemlos und die Flugzeiten so angenehm, dass man An- und Abreisetag zumindest zum Großteil nutzen kann. Für England kommt allerdings noch hinzu, dass man für die Einreise eine ETA, eine Einreisegenehmigung braucht, wie auch hier der Artikel im Familienjournal.com es erklärt. Die Kinder brauchen also zwei Dinge. Einerseits einen gültigen Reisepass und andererseits eben ein ETA. Das ETA zu beantragen ist keine große Sache. Man installiert eine App und erfasst alle Daten. Für 20 Pfund bekommt man dann eine elektronische Einreisegenehmigung. Allerdings ist diese an den Reisepass gebunden.

Kosten, oder Nutzen

Die ETA gilt für zwei Jahre. Man kann also innerhalb von zwei Jahren immer wieder nach England reisen. Das könnte für die Älteste der Drei spannend sein, weil sie als K-Pop-Fan damit beginnt, verschiedene Konzerte zu besuchen und auch eine Online-Freundin in London hat. Aber auch die anderen hätten zwei Jahre lang die Möglichkeit nach England einzureisen. Allerdings gibt es einen Haken. Die ETA wird an den Reisepass gebunden. Läuft er vor dem ETA ab, ist auch die ETA erloschen und man muss sie neu beantragen. Also muss man abwägen, einen Reisepass vor dem ETA zu erneuern, wenn er weniger als zwei Jahre gültig ist. Gerade bei der Ältesten war das der Fall. Ihr Reisepass was noch weniger als ein Jahr gültig und die ETA ihrer letzten Reise mit meinem Mann war abgelaufen. Mein Mann hat den Pass mit ihr neu ausstellen lassen und das ETA erst danach beantragt. Die Entscheidung war aber nicht einfach. Die Neuausstellung kostet etwa 120€ und der Reisepass gilt 10 Jahre. Ihn vorher auszutauschen kostet also pro Monat etwa 1€, hat mein Mann mir erklärt. Deswegen hat er auch nur einen unserer fünf Pässe vor der Reise neu ausstellen lassen.

London

Auch in London blieben wir dem Prinzip unserer Kurztrips treu. Zoo, Harry Potter und zwischendurch so ziemlich alles, was es in London zu sehen gibt in 4 Tagen. Wenn das Ziel der Reiseleitung war, dass wir alle auf dem Zahnfleisch heimkommen, wurde das Ziel absolut erreicht. Ich spüre die Belastung in meinen Füßen immer noch. Es gibt in Asien Anbieter, die versprechen Europa in wenigen Tagen zu sehen. Das Programm ist straff und geprägt von Aussteigen, Besichtigen und Fotografieren und wieder Einsteigen. Bei uns war es ähnlich und ich bin mir sicher, dass mancher chinesische Anbieter von „London in 6 Stunden inklusive Übernachtung und Flug“ anerkennend genickt hätte, wenn er uns als kleine Karavane raschen Schrittes über die Towerbridge in Richtung Tower of London hetzen gesehen hätte. Mein Mann ganz vorne und dann abgestuft nach persönlicher Leistungsfähigkeit und Motivation der Rest. Also mein Mann, unser Sohn, die Älteste, dann länger eine Pause und schließlich die Jüngste und am Ende dann ich.

All you can see

London ist zwar ziemlich groß, aber einige Dinge sind recht nahe beieinander. Andere wieder nicht. Wie haben die Harry-Potter Ausstellung besucht, wo Original-Requisiten zu sehen sind. Wenn man die Filmmusik nicht mag, dann sollte man dort nicht hingehen. Ansonsten kann ich es sehr empfehlen. Es hat den Kindern und uns sehr gut gefallen. Auch das Natural History Museum war eines der Highlights. Man kommt kostenlos rein und die Ausstellung ist toll gemacht und riesig. Die Kinder waren interessiert und der animierte T-Rex ist zumindest beeindruckend. Auch der Zoo ist sehenswert. Obwohl er nicht riesig ist und nicht an den Leipziger Zoo herankommt, hatten wir dort einen netten Nachmittag. Insgesamt ist London eine interessante Stadt, die man sich auch mit Kindern besuchen kann. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut ausgebaut und man verwendet Fahrkarten, auf denen man ein Guthaben auflädt, das jeweils pro Fahrt abgebucht wird. Auch dafür ist es gut, wenn man einen kompetenten Reiseleiter hat, der sich damit auseinandersetzt, wie viel man auf die Karten aufzahlen muss, um möglichst ohne Restguthaben wieder bis zum Flughafen zu kommen. Wir hatten ein dichtes Programm, bei dem wir sehr viele Eindrücke sammeln konnte.

Erholung von der Erholung

Der Effekt dieses straffen Programms ist verlässlich eingetreten. Die Drei sind müde und froh in der langweiligen und ereignislosen Heimat zu sein. Sie brauchen vorerst kein Programm. Mein Mann geht ins klimatisierte Büro und hat dort, aufgrund verschiedener Urlaube seiner Kollegen, relativ wenig Druck. Ich bin genauso ausgepowert, wie der Rest der Familie, habe aber wenig Spielraum für eine Regenerationsphase. Zwar agiere ich auf Sparflamme und lasse größere Aktionen, wie das Ausmisten der Schränke vorerst mal aus, aber die drei erschöpften Teenager verlangen mir durchaus einiges ab. Ich freue mich also schon sehr darauf, dass der erste Schultag ansteht. Nach all der Abenteuer und Erholung im Sommer muss ich mich erst einmal ein wenig erholen. Da werden wohl ein paar Netflix-Serien an den ersten Vormittagen fällig, bis ich mich wirklich von der Erholung erholt habe.

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