Es gab eine Zeit, da gab es keine Indoorspielplätze. Wer das noch nicht kennt, dem kann ich versichern, dass sie, oder er das in den nächsten Jahren kennenlernen wird. Das Konzept ist einfach und bei allen ziemlich ähnlich. Eine riesige Halle bietet auf einer, oder mehreren Ebenen Spielgeräte an. Kinder bezahlen für eine Zeitspanne, die sie dann in der Halle verbringen dürfen. Einige dieser Anlagen sind auf Trampoline spezialisiert, andere bieten verschiedenste Kletterparks, Hüpfburgen und Hindernisparcours. Gemeinsam haben sie allerdings, dass sie ziemlich teuer sind und dass sie, je nach Tag und Zeit, ordentlich besucht sind. Außerdem bieten alle, dich ich kenne, eigene Socken an, die man tragen muss, wenn man sich in der Halle aufhält. In vielen gibt es auch noch Automaten, Elektroautos und andere Maschinen, die zusätzlich bezahlt werden müssen. Dazu muss man Token kaufen, die man dann in die jeweiligen Geräte werfen kann. Finanziell ist der Besuch durchaus belastend, aber die Kinder genießen den Aufenthalt und das Konzept funktioniert. Allerdings richten sich dieses Angebot an Kinder. Dass Eltern mitkommen, ist ein Kollateralschaden, der meist nur halbherzig berücksichtigt wird. Während die Kinder also Spaß haben, bleiben die Eltern auf der Strecke und geben sich der Langeweile hin.
Cashcow Kind
Der klassische Indoorspielplatz wird stundenweise abgerechnet. Meine Kinder bekommen ein großzügiges Taschengeld und können sich hin und wieder mal einen Aufenthalt dort leisten. Sie sind alt genug und in den Spielplätzen gibt es auch Personal, das ein wenig auf die Sicherheit achtet und bei Verletzungen, oder sonstigen Problemen zur Stelle ist. Die Preise sind hoch, aber immer noch deutlich unter dem Niveau der Trampolinparks. Hier kann man durchaus zwischen 20 und 30 Euro für eine Stunde loswerden. Dazu kommen die Socken, die man zumindest beim ersten Mal für ein paar Extra-Euros anschaffen muss. Wenn man sie vergisst, auch später nochmal. Gehen meine drei Kinder gemeinsam in so eine Trampolinhalle und wollen 2 Stunden bleiben, dann kostet das etwa 130 Euro. Wahrscheinlich gibt es günstigere Anbieter, aber in jedem Fall sind die Kosten hoch.
Indoor Monopol
Der Eintrittspreis ist also schon mal eine mittelgroße Investition für ein Kind. Dazu kommen dann schnell nochmal 10, oder mehr Euro, wenn man einen der Automaten nutzen will. Pro Runde kostet das nochmal mindestens 3 Euro. Die Kinder zahlen gerne für die Unterhaltung und genießen den Aufenthalt, aber mehr als ein, oder zweimal pro Monat ist das einfach nicht drin. Besonders im Winter leben die Indoorspielplätze davon, dass es wenig Alternativen gibt und Eltern sich normalerweise auch nicht gerne draußen aufhalten. Außerdem ist es auch ein Zeitproblem, den Kindern ein ausreichendes Maß an Bewegung zu ermöglichen. Im Winter könnte man längere Spaziergänge einplanen. Das dauert aber lange und meist muss man auch noch in ein geeignetes Gebiet fahren. Neben dem Zeitfaktor spricht auch die Kälte und der Schmutz dagegen. Spielplätze sind im Winter gefährlich. Der Fallschutz ist hartgefroren und feder Stürze nicht ausreichend ab. Die Lösung für diese Probleme ist der Indoorspielplatz.
Bewegungsdrang abbauen
Auch im Winter wollen meine Kinder sich bewegen. Mittlerweile sind sie stundenweise auch glücklich, wenn sie mal mit Handy und Kopfhörer im Bett liegen und checken, was sich im Internet alles getan hat, aber früher oder später wollen sie auch mal raus. Die Indoorspielplätze bieten grundsätzlich ein tolles Bewegungsangebot, das auch so gestaltet ist, dass es nicht wie eine Trainingseinheit wirkt, sondern eben wir ein Spielplatz. Auch wenn die Kosten hoch sind, sind sie wahrscheinlich gerechtfertigt. Will man eine kleine aufblasbare Hüpfburg kaufen, dann kostet das schon mal einige. Solche Hüpfburgen sind aber viel kleiner, als die, die die Indoorspielplätze haben. Dazu kommen aufwändige Parcours, Kletterwände, mehrstöckige Abenteuerbereiche und Trampoline. Damit es keine Verletzungen gibt, muss alles gut gesichert werden. Für den Betrieb braucht man außerdem jede Menge, teilweise geschultes Personal, Wartung und Reparaturen, Kassen- und Zutrittssysteme, jede Menge Energie, Heizung und Kühlung, Versicherungen und sicher noch jede Menge Geld für Administration. Das Angebot scheint also den hohen Preis wert zu sein. Umso wenige verstehe ich, warum Eltern auf solchen Spielplätzen so stiefmütterlich behandelt werden.
Gelbe Rutschsocken
Präsent ist das Thema, weil ich vor ein paar Tagen mit meiner Familie in einem solchen Indoorspielplatz in Ungarn war. Wir haben dort ein kleines Ferienhaus und nachdem das Wetter zu schlecht für die meisten Aktivitäten war und wir mal eine Alternative zum Thermenbesuch ausprobieren wollten, haben wir einen Indoorspielplatz in der Nähe des Plattensees gebucht. Hier ist das Konzept klar. Eltern, also Begleitpersonen gibt es auf der Preisliste nicht. Will man mit rein, was in einem Land, dessen Sprache die Kinder nicht kennen und einer Halle, die wir alle nicht kennen, sinnvoll und notwendig ist, dann muss man Eintritt bezahlen. Die Argumentation ist einfach. Alle Geräte sind auch für Erwachsene geeignet, also kann man auch alles benutzen. Daher muss man eben ganz normal eintritt bezahlen. Wer also zwischen 13 und 64 Jahren ist, bezahl sogar ein wenig mehr, als die Kinder unter 13. Günstigere Preise gibt es für Schwangere und ab 65. Dass erwartet wird, dass man den Spielplatz aktiv bespielt, bedeutet auch, dass man als Elternteil die obligatorischen Socken kaufen und tragen muss. Wir haben es in Kauf genommen. Die Eintrittspreise sind mit etwa 14 Euro für einen Erwachsenen leistbar, aber für 4 Stunden sitzen in einer Halle vielleicht etwas hoch.
Teurer Stehplatz
Eines muss man dem ungarischen Betreiber lassen: Das Konzept wird konsequent durchgezogen. Es ist ein Indoorspielplatz und kein Indoorsitzplatz. Auf zwei Ebenen gibt es eine einzige einfache Bank, auf der drei Personen Platz finden. Die Drei sollten sich aber gut kennen, weil man sich aufgrund der geringen Breite der Bank schon zu zweit ziemlich nahekommt. Neben der Bank werden zwei Sitzsäcke angeboten. Weitere Sitzgelegenheiten findet man in den Garderoben. Wir haben das Maximum aus unserem 4-Stunden-Ticket herausgeholt und waren die ganze Zeit über dort. Dadurch ist es meinem Mann und mir gelungen, irgendwann zwischendurch auch die einzigen beiden Sitzplätze auf der Bank zu belegen. Allerdings mussten wir unsere Plätze aufgeben, weil die Kinder das Stockwerk wechseln wollten und wir sie begleiten sollten. Die meiste Zeit sind wir also in Sichtweite der Kinder herumgestanden und haben uns unterhalten. Auch sehr schön, aber mir würde durchaus ein romantischerer Rahmen für ein Gespräch mit meinem Mann einfallen, als eine Halle voller schreiender Kinder und ungarischer Durchsagen.
Leidensgenossenschaft
Einiges der Zeit habe ich auch damit verbracht, mir die anderen Eltern anzusehen. Nachdem der Balaton auch im Winter eine beliebte Ferienregion ist, sind andere auch in der Situation, dass sie ihre Kinder nicht alleine lassen wollen. Also gab es jede Menge Eltern, die so wie wir, etwas verloren zwischen den Spielgeräten standen. Dabei sind mir unterschiedliche Typen aufgefallen. So gibt es junge und junggebliebene Väter, die aus der Not eine Tugend machen. Warum soll man mit Mitte vierzig nicht auch mal zwischen 12-jährigen Trampolinspringen, oder einen Hochseilparcours absolvieren? Eltern mit sehr kleinen Kinder sind gezwungen, die Aktivitäten mitzumachen. Also krabbeln sie mit den Kleinen durch Tunnel und klettern über Strickleitern durch Abenteuerspielplätze. Die meisten der Eltern waren aber ähnlich passiv, wie wir. Hin und wieder sprintet mal eine Mutter zu einem Kind, das nach einem Absturz weint, aber ansonsten sitzt, oder eigentlich steht man seine Zeit dort ab. Nachdem Essen und Trinken in der Halle verboten ist, hat man auch wenig zu halten. Die Trinkflasche und das Obst liegt zusammen mit den Jacken im Garderobenschrank.
Profis und Amateure
Zwischen den Touristen, den motivierten Jungvätern und den Eltern kleiner Kinder sitzen aber auch einige einheimische Mütter in der Halle. Sie haben die Suche nach einem Sitzplatz elegant dadurch gelöst, dass sie einfach am Boden, neben der Wand, oder einem Spielgerät sitzen. Sie sind mit Büchern, oder Tablets für stundenlangen Bereitschaftsdienst ausgestattet und verbringen die Zeit in stoischer Ruhe. Diesen Profis sieht man an, dass sie nicht zum ersten Mal in der Halle sind und schon beim Sockenanziehen genau wussten, was sie die nächsten vier Stunden erwartet. Vielleicht werden wir beim nächsten Mal auch besser vorbereitet sein und die Zeit im Indoorspielplatz besser nutzen. Die Kosten sind ähnlich, wie ein Nachmittag in der Therme und insgesamt erweitert der Indoorspielplatz unser Portfolio an Freizeitaktivitäten rund um unser Ferienhaus. Das ändert aber nichts daran, dass Eltern von den Betreibern solcher Spielplätze nicht als Zielgruppe wahrgenommen werden.
Hochglanz und Shabby-Chic
In den Indoorspielplätzen, die ich kenne, gibt es eine zwei-Klassen-Gesellschaft. Der Spielbereich glänzt mit den neuesten Spielgeräten, leuchtet in Signalfarben und besticht durch ein durchgängiges Farbkonzept. Die Gestaltung ist einladend und hochwertig. Sicherheitsmaßnahmen sind nicht nur vorhanden, sondern werden zelebriert. Deutlich sichtbare Fallnetze, massive Stahlseile, die in der Wand verankert sind. Riesige Schaumstoffwürfel, die Kanten und Ecken absichern. Gibt es einen Bereich für die Eltern, dann ist der in erster Linie unscheinbar. Wobei unscheinbar in diesem Fall eine nette Untertreibung für schäbig ist. Die Möbel sind nicht nur unbequem, sondern auch abgenutzt. Während die Spielgeräte umfassen gewartet und laufend erweitert und erneuert werden, sind die einfachen Tische mit Bänken, auf die die wartenden Eltern sich setzen dürfen, offensichtlich die letzte Erinnerung an die Erstausstattung vor 10 Jahren.
Ein neuer Trend
Natürlich kenne ich nicht alle Indoorspielplätze, aber meine negativen Erfahrungen mit dem Umgang mit Eltern ziehen sich wie ein roter Faden durch meine Aufenthalte in solchen Hallen. Es ist ja nicht nur so, dass die Eltern es sich bequem machen wollen. Bei meinen drei Kindern gibt es auch drei unterschiedliche Fitnesslevels. Während mein Sohn über Stunden ohne jede Ermüdungserscheinung aktiv ist, sieht das bei den Mädchen anders aus. Die älteste ist ruhiger und legt selbstständig und rechtzeitig pausen ein. Abgesehen davon ist sie fit und sehr ausdauernd. Bei der jüngsten steht es mit der körperlichen Fitness etwas schlechter. Sie ist zuletzt mehrmals verschwitzt und mit rotem Kopf zu uns gekommen und hätte sich auch darüber gefreut sich mal ein paar Minuten setzen zu können. Indoorspielplätze treffen den Zeitgeist und gehören heute zum urbanen Lebensstil. Spielplätze sind im Sommer sehr beliebt, aber im Winter gibt es in der Stadt weniger Bewegungsangebote. Hier punkten die Hallen, die auch gezielt Kinder als Kunden ansprechen. Auch wenn es diese Indoorspielplätze erst seit etwa 10 Jahren bei uns gibt, sind sie ein Teil der Freizeitgestaltung der Kinder geworden.
Trockenschwimmen
Die Anlagen, die in den Indoorspielplätzen stehen, erinnern mich immer an die Einrichtung der Bäder, in denen die Kinder stundenlang rutschen und sich gegenseitig nass spritzen. Das funktioniert seit Jahrzehnten und bunte Wasserrutschen, Pilze und andere Spielgeräte in den Kinderbecken sorgen schon sehr lange für Spaß an Bewegung. Die Indoorspielplätze sind eine Fortsetzung dieser Idee. Genauso, wie die Bäder sorgen auch Indoorspielplätze dafür, dass Kinder und Jugendliche sich körperlich verausgaben und Spaß an der Bewegung haben. Natürlich kann man das auch im Turnverein erleben, oder eben einen öffentlichen Spielpplatz besuchen. Ich halte die Einrichtungen aber für eine gute Ergänzung, die hin und wieder einmal ein kleines Highlight sein soll. Auch Sportmuffel werden dort animiert, die Geräte zu benutzen und Bewegung zu erleben. Der Preis ist aus meiner Sicht gerechtfertigt. Allerdings bleibt meine Kritik am Umgang mit den Eltern aufrecht. Ich begleite meine Kinder sehr gerne auf einen Indoorspielplatz und würde mich wirklich freuen, wenn die Betreiber ausreichend Sitzplätze für die Eltern anbieten. Falls also jemand, der einen solchen Spielplatz betreibt, diesen Beitrag liest, kann er vielleicht zusammen mit der nächsten Hüpfburg auch ein paar Sitzgelegenheiten bestellen.







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