Ich habe den Luxus, mein Leben als Hausfrau und Mutter zu bestreiten. Ich gehe also keiner Erwerbstätigkeit im eigentlichen Sinn nach, sondern leiste meine Arbeitszeit im Haushalt ab. Hier gibt es erstaunlich viel zu tun. Oft wirkt es, wie ein Kampf gegen Windmühlen. Windmühlen, die gerne mal Kästchen offen stehen lassen, benutztes Geschirr unter Betten verstecken, ihren Besitz gleichmäßig in der Wohnung verteilen und sehr gerne mal ein Kleidungsstück fallen lassen. Weil in meiner Arbeitsplatzbeschreibung deutlich steht, dass ich mich um die Wäsche kümmere, hebe ich die fallengelassenen Teile auf und sortiere sie nach Farbe. Allerdings ist das nicht ausreichend. Bei uns im Haushalt leben fünf Personen. Diese fünf Personen tragen drei unterschiedliche Kleidergrößen. Die Kleidungsstücke meines Mannes sind leicht zu erkennen. Sie sind mir etwa 30 Zentimeter zu lang und viel zu groß für die Kinder. Meine Kleidung kenne ich, weil ich sie nicht in der Wohnung verteile, sondern meist direkt nach dem Tragen in die Waschmaschine werfe. Der Rest ist allerdings nicht ganz so einfach zuzuordnen.
One-Size-Fits-All
Unsere drei Kleinen haben eine interessante Eigenschaft. Sie sind gleich groß. Das ist schon lange so und Menschen, die uns auf der Straße begegnen, halten sie wohl oft für Drillinge. Zwar sehen sie sich nicht sehr ähnlich und einer von den Dreien ist ein Junge, aber die Körpergröße ist, bis auf einen, oder zwei Zentimeter, gleich. Auch der Umfang variiert kaum. Der Vorteil davon ist, dass sie alle drei flexibel ihre Kleidungsstücke wechseln können. Der Nachteil ist, dass ich flexibel ihre Kleidungsstücke verteilen kann. Die Teile selbst liefern fast keinen Hinweis darauf, wem sie gehören. Das wird besonders dann kritisch, wenn mein Mann einen Kaufrausch bekommt und einen Sack Wäsche heimbringt. Manchmal geht er mit den Kindern auf Flohmärkte, viel ist aber auch ein Impulskauf. Er ist mit, oder ohne Kinder unterwegs und kann teilweise einem Schnäppchen, oft aber auch einem hübschen Teil nicht widerstehen.
Shopping-Nachbereitung
Also stopft er ein paar hübsche, günstige und hübsch und günstige Teile in einen Einkaufssack und präsentiert ihn daheim, indem er ihn im Wohnzimmer bereitsteht. Schon beim Auspacken passiert das Chaos. Sind die Kinder motiviert, dann nehmen sie daran teil, ansonsten begutachte ich seine Beute. Die offensichtlichen Probleme beginnen bereits hier. Bei jedem Teil muss ich nachfragen, für wen er es gekauft hat. Oft gibt es eine Antwort, mitunter kauft er die Dinge aber auch schon, ohne darüber nachzudenken, welches der beiden Mädchen es später tragen soll. Die Burschenkleidung ist etwas einfacher zu identifizieren, allerdings ist bei Hosen, oder einfachen Shirts auch da Interpretationsspielraum. Das ist aber nicht so schlimm. Schließlich landet ja alles erstmal im Wäschekorb und dann in der Waschmaschine. Namensschilder für Kleider verwenden wir nicht. Allerdings wäre es wahrscheinlich eine ausgezeichnete Investition, denn der Wäschekreislauf steht mit der Anschaffung erst ganz am Anfang, bevor er beginnt sich zu drehen.
Wäschewaschen
Es gibt böse Zungen, die unsere Waschmaschine als mein Lieblingshaushaltsgerät bezeichnen. Ich gebe offen zu, dass das so ist. Wäsche zu waschen ist etwas, das ich gerne tue und bei dem ich meinen Experimentiertrieb auslebe. Es gibt wohl kaum ein Waschmittel, oder einen Weichspüler, den ich noch nicht getestet habe. Außerdem arbeite ich mit Natron, Soda und Waschnüssen. Die Wäsche wird vorbereitet, nachbereitet und Temperaturen und Waschprogramme werden genutzt. Mein Liebling steht im Badezimmer, fasst 10 Kilogramm Schmutzwäsche und wenn er nach mir ruft, bin ich in wenigen Sekunden zur Stelle, um die Früchte seiner Arbeit zu ernten. An starken Tagen läuft die Waschmaschine dreimal täglich. Werden die Betten frisch bezogen, dann noch öfter. Einen Tag ohne Wäsche gibt es nur, wenn wir nicht daheim sind und vor Neujahr, weil ich mal gehört habe, dass es Unglück bringt, Wäsche über den Jahreswechsel zu trocknen.
Wäschetrocknen
Auch das Wäsche trocknen zählt zu meiner Passion. Ich habe verschiedene Varianten von Wäschetrocknern, die in den unterschiedlichen Räumen, oder auf den Balkonen stehen. Mein Waschverhalten wird meist auch vom Wetterbericht beeinflusst. Wird es sonnig und etwas windig, macht die Waschmaschine Überstunden. Innerhalb von zwei Tagen steht jedes Kleidungsstück wieder sauber und trocken für den Nutzer zur Verfügung. Gut, also die neue Kleidung verschwindet zuerst einmal in einer gut geölten Maschine und durchläuft die Hälfte des, sich ständig drehenden Wäschekreislaufs. Die Einkaufstasche wird geleert, Etiketten werden entfernt, mein Mann wir gelobt. Gegebenenfalls erfolgt eine Anprobe. Vorwiegend landet die Wäsche aber zuerst im Wäschekorb, dann in der Waschmaschine und schließlich am Wäscheständer meines Vertrauens. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 48 Stunden nach der Anschaffung ist die Kleidung bereit für den ersten Einsatz. Sie liegt entweder gefaltet im Kasten, oder auf einem Berg Kleidung vor dem Bett, der meiner Tochter besser gefällt, als das mit der Ordnung, was ich immer sage.
Wenn die Routine stockt
Der Ablauf ist geplant und minutiös getaktet. Jeder Handgriff sitzt und größtenteils muss ich dabei wenig nachdenken. Allerdings stockt die Arbeit dann, wenn ich ein neues Teil in Händen halte. Das ist die gute Variante, denn dabei wird mir die Situation bewusst und ich denke mal darüber nach, was ich gerade mache. Ich sehe mir das Ding also an, erinnere mich, dass es etwas Neues ist und auch wem ich es zugedacht habe und staple es auf dem passenden Stapel. Von dort geht es weiter in Richtung Wäschelager, also zwei Kästen und ein Berg. Wie gesagt, ist es ideal, wenn ich mitdenke. Jeder kennt das sicher, dass man nach einer Fahrt mit dem Auto nichts über die Fahrt selber weiß. Es ist automatisiert und man kann über die großen philosophischen Fragen nachdenken. So ähnlich ist es bei der Hausarbeit. Ich bin nicht immer mit den Gedanken dabei. Die Dokusoaps, die ich mir gerne ansehen, helfen mir sehr gut dabei, unkonzentriert zu sein.
Weg ist es
Ich habe ein Problem, das immer wieder zu Kritik führt. Ich verrichte innerhalb der Wohnung pro Tag wahrscheinlich weit über 10.000 Handgriffe. Dass ein paar davon unbewusst passieren ist sicher für alle nachvollziehbar. So passiert es, dass ich beim Verschwindenlassen von Dingen wohl besser bin, als jeder Pumuckl. Auf dem Weg von A nach B schnappe ich nach einem Teil, das nicht dorthin gehört, wo es sich gerade befindet und nehme es mit. Die wenigsten Dinge gehören aber nach B. Das weiß ich, wenn ich darüber nachdenke. Nur denke ich bei solchen Aktionen nicht immer mit. Ich hab ja ein Ziel vor Augen und das Aufräumen passiert sozusagen im Vorbeigehen. So verschwinden Teile, die andere Haushaltsmitglieder bewusst, oder unbewusst deutlich sichtbar bereitgelegt haben, innerhalb von Stunden an einen Ort, den ich nicht kenne. Vielleicht habe ich irgendwo so etwas, wie den Raum der Wünsche, wie auf Hogwarts eingerichtet, wo alles landet. Vieles von dem, was ich ordentlich verstaue, taucht auf jeden Fall für eine sehr lange Zeit nicht mehr auf.
Zustellfehler
Was mit Sonnenbrillen, Paketen, Werkzeugen, Spielsachen, Schulbüchern, Notizen und vielen anderen Dingen bei uns im Haushalt passiert, dass passiert auch mit der Wäsche. Speziell Neuware wird schnell mal in den falschen Schrank geschlichtet. Das Verhalten der Schrankbesitzer ist meist nicht kooperativ. Einzig mein Mann bringt mir regelmäßig Socken und Unterhosen, die ihm nicht passen zurück. Die anderen drei erkennen beim Wühlen, dass ein Teil nicht ihnen gehört, machen sich aber nicht die Mühe, es dem rechtmäßigen Besitzer, oder mir zu übergeben. Solange ich also nicht zufällig über so einen Sortierfehler stolpere, bleibt ein Wäscheteil im falschen Kasten, oder verschwindet in einem Wäscheberg. Die Lösungen von gutmarkiert könnten hier auf mehreren Ebenen helfen. Man kann damit viele Dinge mit Namen beschriften. Auch Kleidungsstücke lassen sich so perfekt kennzeichnen. Einerseits kann ich die Kleidung direkt nach dem Kauf einem Kind zuweisen. Damit kann ich beim Wäschefalten und Sortieren darauf zugreifen und Fehler reduzieren. Andererseits können die Kinder Dinge, die sie in ihrem Kleiderschrank finden, leicht dem richtigen Kind bringen.
Idealzustand
Es wäre ideal, wenn die Kinder normal wachsen würden. Nachdem die Älteste der Drei aber sehr klein und die Jüngste recht groß ist, sind beide so groß, wie ihr Bruder. In anderen Familien wird Wäsche weitergegeben. In unserer Familie können die Kinder sich Wäschestücke teilen. Passt es aber einem Kind nicht mehr, dann passt es keinem der Drei. Andere Mütter kennen meine Probleme daher vielleicht nicht. Unter anderem deshalb, dass in den Kleidungsstücken die Größe angegeben ist und man üblicherweise nur ein Kind im Haushalt hat, dem gerade 164 passt. In meinem Fall, oder wenn die Kinder größer werden, macht eine Beschriftung durchaus Sinn. Es ist in meinem Fall eher eine Markierung, weil ich nicht die Namen der Kinder in die Kleidung schreiben würde. Stattdessen bekommt alles einen Code, der wieder Rückschlüsse auf das Kind zulässt. So habe ich wenigstens eine Chance, die Kleidungsstücke richtig zuzuordnen und habe auch kein Problem, wenn ich sie mal verkaufe, oder an Freundinnen weitergebe. Wäsche zu beschriften ist eine ausgezeichnete Idee. Gleichzeitig sollte ich aber lernen, bei der Hausarbeit bei der Sache zu bleiben und bewusste Entscheidungen zu treffen.
Bei der Sache bleiben
Tatsächlich ist das ein Thema, mit dem ich mich schon länger beschäftige. Ich habe dazu auch schon mal ein unterhaltsames Buch gelesen. „Glaub nicht alles, was du denkst“ von Alexandra Reinwarth (hier bekommst Du es bei Amazon) erklärt gut, dass wir bei einem Großteil der Dinge, die wir tun, eben nicht bei der Sache sind und unser Gehirn es sich immer sehr leicht macht. Wäsche zu waschen ist vielleicht ein tolles erstes Anwendungsgebiet dafür, bewusster und überlegter zu handeln. Markierungen auf der Wäsche helfen mir auf jeden Fall, mich auf jedes Stück zu konzentrieren und mir bewusst zu machen, was ich gerade tue.

Leave a Reply