Jungs, Mädchen und ihre Eltern auf kinderalltag.de

Jungs, Mädchen und ihre Eltern

Unser Ferienhaus liegt in Ungarn in einer Gegend, in der es früher einige Vulkane gab. Die sind zum Glück lange erloschen, man kann sie aber immer noch besteigen. Erfreulich ist, dass es in der Gegend heute viele Thermalquellen gibt. Wir haben also eine breite Auswahl an verschiedenen und vor allem erschwinglichen Thermen in der näheren Umgebung. Klar, dass wir also immer wieder in die Therme gehen und auch jetzt im Winter häufig dort sind. Wir haben in Sarvar eine Therme gefunden, die sehr kinderfreundlich ist und in die wir gerne fahren. Nachdem ich kühle Temperaturen bevorzuge und das Thermenwasser nicht unbedingt meine Wohlfühltemperatur hat, verbringe ich immer wieder Zeit in einem der vielen Liegestühle. In der Zeit habe ich Gelegenheit, mir die anderen Gäste anzusehen. Es gibt, je nach Jahreszeit, verschiedene Gruppen, die dort Freizeit verbringen. Da gibt es die jungen, etwas älteren und alten Pärchen, Gruppen von Jugendlichen, Großeltern mit Enkelkindern, Familien mit mehreren Generationen und natürlich auch Familien mit Kindern. Genau diese Familien beobachte ich gerne, weil ich hoffe, etwas zu lernen. Dabei ist mir etwas aufgefallen. Eltern und Kinder passen immer zusammen. Also irgendwie sieht man den Müttern und Vätern an, ob sie Söhne, oder Töchter haben. Grund genug, für mich ein wenig nachzudenken, wer hier wen beeinflusst. Sind es die sanften Eltern, die gerne Pastelltöne, vorzugsweise in der Grundfarbe Pink, mögen, die süße kleine Mädchen bekommen, oder sind es die süßen kleinen Mädchen, die die Gehirne der Eltern waschen?

Jungs und Mädchen – Die Unterschiede

Ja, es ist natürlich nicht so, dass alle Mädchen Puppen lieben und Jungs nur mit Autos spielen. Meine Erfahrung mit den verschiedensten Kindern und auch Erwachsenen zeigt aber, dass es ganz deutliche Unterschiede gibt. Auch Studien belegen, dass Jungs andere Stärken haben, als Mädchen und auch wenn man sich den Arbeitsmarkt ansieht, erkennt man klare Muster. In den Kindergarten dieser Welt sind männliche Pädagogen eine Minderheit. Auch der Pflegedienst ist von Frauen dominiert. Auf der anderen Seite sind die Männer in den technischen Berufen eindeutig stärker vertreten. Ob das nun mal so ist, weil Männer und Frauen eben so sind, oder weil wir in der frühen Kindheit in eine Richtung gedrängt werden, spielt bei meiner Beobachtung auch keine Rolle. Die Eltern, die ich beobachte, haben Kinder, die etwa zwischen 5 und 12 Jahren alt sind. In dieser Phase beobachte ich deutliche Unterschiede im Verhalten der Eltern. Mein entspanntes Beobachten in einer ungarischen Therme ist sicher keine repräsentative Studie und jede und jeder von Euch ist aufgerufen, sich selbst ein Bild zu machen. Ich kann nur von meinen Eindrücken berichten und da gibt es, zumindest für mich, ganz klare Unterschiede. Eltern mit Jungs nehme ich als aktiver wahr. Es wird wilder gespielt, sie bringen Bälle und kleine Tauchgewichte mit in die Therme. Die Eltern der Mädchen sind weniger aktiv.

Wie das Kind, so die Eltern

Wer sich mit NLP beschäftigt, der kennt vielleicht die Technik des Spiegelns. Verstehen sich zwei Menschen gut, dann ahmen sie ihr Verhalten nach. Sie nehmen dieselbe Haltung ein, machen dieselben Gesten und benutzen dieselben Worte. Das ist einerseits ein Zeichen dafür, dass man das Gegenüber sympathisch findet und beeinflusst andererseits auch den anderen Menschen. Manche Menschen machen das automatisch, um andere zu beeinflussen, andere versuchen es bewusst. In dem Zusammenhang gehe ich aber davon aus, dass es unbewusst passiert. Eltern und Kinder verbringen viel Zeit miteinander und passen sich nach und nach aneinander an. Es ist etwas schwerer zu beschreiben, als ich mir gedacht habe, aber irgendwie sieht man den Eltern an, ob sie einen, oder mehrere Söhne haben, oder eher Mädchen. Auch im Restaurant erkennt man, wie die Eltern sich verhalten. Ich habe den Eindruck, dass Mütter von Söhnen sich ganz anders verhalten, als Mütter von Töchtern. Das fängt schon bei der Anzahl an Handtüchern an, die sie bei sich haben. Meiner Meinung nach erkennt man es aber oft auch an der Körpersprache. Das ergibt viel Sinn für mich, wirft aber auch ein paar Fragen auf.

Henne und Ei

Geht man davon aus, dass das typische geschlechterspezifische Verhalten nicht angeboren, sondern antrainiert ist, dann ist es schwierig, die Veränderung der Eltern zu erklären. Stellen wir uns eine stereotypische Frau vor, die sich durch und durch als Frau fühlt, auf ihr Äußeres achtet, Accessoires verwendet, um ihr Outfit zu komplettieren, daheim alles dekoriert und die Sofakissen knickt. Wenn diese Frau einen Sohn bekommt, dann ist es unwahrscheinlich, dass sie ihm typisch männliche Verhaltensweisen vorlebt. Trotzdem ist es ziemlich sicher, dass sie 10 Jahre später mit anderen Müttern am Fußballplatz am Spielfeldrand steht und dem Trainer lautstarke Tipps gibt. Genauso wird eine andere Frau, die gerne Jeans und T-Shirt trägt und eine Kurzhaarfrisur und flache Sneaker bevorzugt, mit ihrer Tochter irgendwann zum Eiskunstlauf, dem Gerätturnen, oder zum Ballett gehen und dann den rosa Sportbeutel heimtragen. Tatsächlich kenne ich beide Typen vom Fußballplatz und von den Turnstunden meiner Tochter. Ich gehe deswegen davon aus, dass das Verhalten und die Vorlieben der Kinder angeboren sind.

Wilde Mischung

Meine Kinder sind ein gutes Beispiel dafür. Man kann annehmen, dass alle drei Kinder ähnlich erzogen worden sind. Klar gibt es Unterschiede, wie man mit Situationen beim ersten und beim dritten Kind umgeht, im Grunde habe ich aber nichts bewusst anders gemacht. Trotzdem habe ich drei völlig unterschiedliche Kinder. Die älteste der Drei redet viel und hat einen riesigen Freundeskreis. Sie ist in dieser Hinsicht ein richtiges Mädchen. Zwar kleidet sie sich gerne, wie ein Junge und trägt kurze Haare, sie hat sich aber über ein kleines Schminkset zu Weihnachten sehr gefreut. Mein Sohn ist wild und aktiv. Er tobt durch die Wohnung, läuft Bällen nach und schwärmt für Luxus-Sportwagen. Die Jüngste ist ein stereotypisches Mädchen mit viel Rosa, Puppen, langen Haaren und auch sonst typisch weiblichen Verhaltensweisen. Dazu muss man wissen, dass ich rosa nicht mag. Mein Mann trägt zwar gerne rosa Hemden, oder Polohemden, aber insgesamt leben wir ihr das sicherlich nicht vor. Am ehesten trifft der Stil der Ältesten meine Idealvorstellungen. Ich trage mein Haar auch kurz und bevorzuge Jeans und Shirts, wenn es nicht zu heiß ist. Nachdem mein Mann und ich keinem unserer drei gemeinsamen Kinder ihre individuellen Werte vorgelebt haben, müssen sie diese woanders gelernt haben.

Äußere Einflüsse

Offensichtlich lernen die Kinder auch viel von Ihren Freundinnen und Freunden. Auch Pädagoginnen und Lehrerinnen leisten ihren Beitrag zur Entwicklung der Kinder. Verbringt man viel Zeit mit anderen Menschen, dann bleibt das aber offensichtlich nicht ohne Spuren. Ich bin immer wieder erstaunt, wie ähnlich sich manche guten Freundinnen sind, denen man auf der Straße begegnet. Sie haben denselben Stil, dieselbe Frisur, ähnliche Proportionen und dieselbe Körpersprache. Entweder wir suchen uns Menschen, die uns total ähnlich sind, als Freunde, oder Freundschaften verändern uns. Ich habe mal gelesen, dass sich der Hormonspiegel bei frisch Verliebten aneinander angleicht. Das Spiegeln, also das Nachahmen von Menschen, die uns wichtig, oder wenigstens sympathisch sind, liegt uns offensichtlich im Blut. Das erklärt, dass Jungs, die Freundschaft schließen, sich mit der Zeit genauso immer ähnlicher werden, wie Mädchen. Passt die Chemie, dann passt man sich immer weiter an. So beeinflussen die anderen Kinder, die die Kinder Tag für Tag sehen und mit denen sie Zeit verbringen, unsere Kleinen.

Ende der Ausnahme

Jungs spielen irgendwann dann lieber mit Jungs und Mädchen bevorzugen Mädchen als Spielkameradinnen. Auch wenn ein Junge eigentlich keine typisch männlichen Veranlagungen hat, gerne auch mal mit Puppen spielt und ihm Bagger relativ egal sind, gerät er früh in eine soziale Gruppe, in der die typischen Jungs die Mehrheit stellen. Will er mit gleichaltrigen Jungs spielen, dann beschäftigt er sich eher mit Bauklötzen und Autos, als mit Teddys und Puppen. Die Kinder lernen also spätestens dann, wenn sie den Tag nicht mehr nur mit der Familie verbringen, stereotype Verhaltens- und Denkweisen. Man kann es als Elternteil also nur bedingt kontrollieren. Auch wenn ich meinen Kindern nur geschlechterneutrale Kleidung anziehe und ihnen in keiner Weise Geschlechterrollen vorlebe, ergibt sich das ganz von selbst.

Der Lauf der Natur

Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass Jungs und Mädchen tatsächlich ziemlich unterschiedlich sind. Ich habe daheim von allen etwas. Da ist mein stereotypischer Sohn, die stereotypische Jüngste und die Älteste, die teilweise typisch mädchenhaftes Verhalten an den Tag legt und teilweise nicht wenig mädchenhaft ist. Wenn ich mir meinen Sohn so ansehe, dann habe ich Zweifel, dass meine Töchter genauso sein könnten. Wie er mit seinen Freunden umgeht, was er spielt, wie er mit anderen Kindern spricht und welche Körpersprache er verwendet, ist weit außerhalb des Verhaltensrepertoires seiner Schwestern. Die beiden sind einfach nicht so. Sie hätten keinen Spaß an dem Verhalten, das er zum Schreien komisch findet. Sie könnten sich keine drei Minuten mit dem beschäftigen, was mein Sohn den ganzen Tag machen könnte, wenn man ihn lässt. Es liegen Welten zwischen den beiden Geschlechtern und die Erfahrungen, die ich mit anderen Kindern habe, bestätigen meine Einschätzung.

Lerneffekte

Aber warum unser Nachwuchs sich so verhält, wie er das gerne tut, ist auch unerheblich. Ob das Verhalten angeboren, oder antrainiert ist, ändert nichts daran, dass wir Eltern uns anpassen. Man geht mit den Kindern eben anders um. So wie ich mit einer meiner Töchter spreche, so spreche ich nicht mit meinem Sohn. Auf der einen Seite finde ich das ziemlich interssant. Sind wir es also, die erzogen werden und uns anpassen? Auf der anderen Seite erfüllt mich das, was ich da beobachtet habe, auch mit Freude. Bedeutet es doch, dass die Eltern, die ich in der Therme, oder sonstwo beobachte, ihre Kinder mögen. Wir mögen sie so sehr, dass wir nicht nur unser Verhalten anpassen, sondern auch einen Großteil unserer Lebensplanung an die geschlechterspezifischen Bedürfnisse angleichen. Das finde ich persönlich wieder einen sehr schönen Gedanken. So wie es aussieht bemühen wir uns darum, es unseren Kindern recht zu machen und es ihnen so angenehm wie möglich zu machen. Das geht sogar bis zu einer Selbstaufgabe ich Teilbereichen. Und das finde ich gut.

2 Comments Posted

  1. Liebe Andrea,
    spannende Eingangsfrage. Deine Theorie (Eltern in Pastellfarben Mädchen und Eltern in dunkelblau Jungs) funktioniert doch nur dann, wenn die Kinder Einzelkinder sind oder das selbe Geschlecht haben- oder? Ich habe einen großen Sohn, der 5 Jahre älter als seine Schwester ist. Sie ist also turbulentes, lautes und körperliches Fußballspiel gewöhnt. Und gleichaltrige Jungs können sie nicht schocken. Fußball spielt sie im dunkelblauen Manchester Trikot. trägt aber zum Geburtstag auch gern blaßrosa Spitzenkleider und liebt ihre Puppe überalles.
    LG Michaela

    • Das stimmt, hat man Mädchen und Jungs wird es noch komplizierter. Dann beeinflussen sich wohl auch die Kinder untereinander und kleine Schwestern eifern den großen Brüdern nach. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich schon mit dem ersten Kind etwas ändert. Meine Bonustochter hat einen Sohn und eine kleinere Tochter und sie kann Dir alles über Bagger und Baumaschinen erklären 😉

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