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Nicht nur meine Kinder sind sehr schlimm

Oft, wenn sich wieder einmal eines der Kinder am Boden wälzt, oder sich zwei der lieben Kleinen prügeln und kreischend durch die Wohnung laufen, liegt ein Gedanke ganz nahe: โ€žMeine Kinder sind die schlimmsten, die es gibt!โ€œ Geht man dann spazieren und die eigenen Rabauken haben einen guten Tag und niemand schreit, weint, oder schmollt, dann kann es vorkommen, das man beobachtet, dass Kinder anderer Mütter ebenfalls sehr schlimm sein können.

Geteiltes Leid macht Spaß

Ich denke mal, dass ich das darf. Klar ist es politisch sehr unkorrekt innerlich breit zu grinsen, wenn eine arme Mutti versucht ihr stures Kind zum nachhausegehen zu überreden und zu beobachten, wie das Kind sich, Rotz und Wasser heulend und kreischend an der Schaukel festklammert. Genauso erbaulich ist es, wenn man beobachtet, wie sich fremde Kinder genüsslich einen Eimer Sandbrühe über die adrette Hose kippen und damit die dazugehörige ausgeglichen wirkende Mutter ein klein wenig aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Ungelassenheit in Person

Ich bin tatsächlich keine ausgeglichene und ruhige Mutter. Während andere die Sonne am Spielplatz genießen hetze ich von einem Kind zum anderen, hebe sie auf Wippen und Schaukeln und verhindere gröbste Einsauereien im Sandkasten. Aber zusätzlich zu der, mir ohnehin innewohnenden und angeborenen Unruhe kommen dann immer wieder solche Situationen, in denen mein Junior z.B. genau eine bestimmte Schaufel haben möchte. Klar, im Sandkasten liegen gezählte acht Schaufeln und abgesehen von Abnützungsgrad und Farbe scheinen alle ähnliche Dimensionen zu haben. Statt sich aber eine nahezu baugleiche andere Schaufel zu greifen muss es die eine sein, die gerade eine der Schwestern in der Hand hält.

sehr schlimm und geizig

In so einem Fall hat der Kleine zwei Möglichkeiten. Die, für mich, bessere Variante wäre, dass er einfach der kleinen Schwester die Schaufel klaut. Ergebnis: Zwei zufrieden, eine heult. Die zweite Variante ist schon viel schwieriger. Entscheidet er sich für die Schaufel der großen Schwester, dann gibt es wieder verschiedene Szenarien. Hält sie die Schaufel nicht fest genug, wenn er zuschlägt, dann erwischt er sie. Das führt dazu, dass die größere Schwester unter Kreischen und Schreien ihre Schaufel zurückerobert. Dazu wird geschlagen, gebissen und gekratzt. Natürlich gibt er die Schaufel nicht wieder her. Die zweite Variante verläuft ähnlich, nur dass die Älteste die Schaufel beim Klauversuch nicht loslässt und direkt dabei eine heftige Sandkastenschlägerei entbrennt. Wie auch immer das abläuft: Zwei weinen, einen schaut zu.

Ich bin nicht Salomon

Wenn ich dann einschreite, dann gibt es auch keine Möglichkeit alle zufrieden zu machen. Am Besten wärs wohl, ich würde der Kleinsten die Schaufel auch noch wegnehmen. Dann würden alle schreien, was zumindest gerecht wäre. Das bring ich aber nicht übers Herz und setze oft mal auf die Vernunft bei meinem Sohn. Die Schwester hatte die Schaufel doch zuerst. Nimm doch eine andere, die sind doch alle gleich. Einer weint, eine ist noch angeschlagen, eine schaut zu.

Alternativ kann ich an das große Schwesterherz der Ältesten appellieren und versuchen Sie zu überreden eine alternative Schaufel zu nehmen. Eine weint, einer ist angeschlagen und eine schaut zu.

Verdammt, was soll man in so einer Situation machen. Psychologie greift ins Leere, Authorität zieht nicht und Vernunft wird abgeschalten.

Ausweglosigkeit der Fremden

Ich bleibe dabei! Ich hab es mir verdient mich daran zu erbauen, wenn ich einmal beobachte, dass andere Mütter ganz ähnlich gelagerte Probleme haben und auch Ihre Kinder streckenweise sehr schlimm sind. Ich geb sogar zu, dass mir das bei Super-, Hyper- und Übermüttern die meiste Freude macht.  Die meiste Zeit verbringt man ja damit solche Aushängeschilder eines intellektuell alternativen Lebensstil vor einem soliden finanziellen Hintergrund zu beneiden. Und wenn die Kinder einer solchen harmoniesprühenden und mit bedacht pädagogisch wertvoll agierenden Mutter, die in jedem zweiten Satz, den sie wohlgeformt und grammatikalisch korrekt ausformuliert (oft und gern auch zweisprachig), einen kleinen spielerischen Lerninhalt verpackt, dann plötzlich kreischend am Boden liegen, dann gibt mir das was ๐Ÿ™‚ Da hilft ihr die ausgewogene Jause, die sie in der farblich auf den sündteuren Kinderwagen abgestimmten Markenjausenbox darreicht auch wenig. Manchmal spinnt auch ein Kind einer solchen perfekten Mutter. Das tut gut!

 

 

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