Vorfreude auf morgen

Letztens habe ich einen kleinen Spaziergang mit meiner Jüngsten gemacht, während die beiden Älteren in der Kita waren. Statt der üblichen Runde Richtung Stadt bin ich einmal in die andere Richtung gegangen. In einem sehr gepflegten Schloßpark, der nur wenige Minuten von unserer Wohnung liegt hab ich etwas Neues entdeckt. Eine Parkbank.

Botanischer Garten

Meine Kleinste stapft mittlerweile sicher durch die Welt und hat große Freude daran, ihre neu gewonnene Freiheit auszukosten. Sie marschiert tapfer auch über unebene Strecken, fällt zwar ab und zu hin, rappelt sich aber ohne Jammern wieder auf und geht weiter. Ich bin letztens mit ihr zum Schloß Belvedere gelaufen und habe dort einen Durchgang erkundet, den ich zwar schon oft gesehen habe, aber noch nie dahinter war. Der Durchgang ist mit Alpengarten beschriftet und direkt dahinter steht ein Kassenhäuschen. Da ich für das Betrachten von Pflanzen kein Geld ausgeben wollte bin ich vor der Kassa abgezweigt und in den Botanischen Garten, bei freiem Eintritt spaziert. Ansich kennen wir den Botanischen Garten, haben ihn aber als uninteressant eingestuft. Die Ursache ist, dass mein Mann, oder ich meist mit zumindest zwei, meist drei Kindern unterwegs sind und die beiden Größeren mit Verboten, wie „Rasen nicht betreten“, oder „Blumen nicht pflücken“ nicht viel anfangen können.

Das Einzelkind-Feeling auf der Parkbank

Erstmals war ich mit der Kleinsten alleine unterwegs und habe die Anlage das erste mal betrachten und genießen können. Die Bäume sind mächtig und tragen Namensschilder. Es gibt da und dort Informationstafeln und wir haben ein kleines Gewächshaus gesehen, in dem seltsame Pflanzen ohne Erde von der Decke hingen und regelmäßig mit Wasserdampf eingedampft wurden.

Das Schönste allerdings war, dass ich auf die Idee gekommen bin mich einmal auf eine Parkbank zu setzen. Die Kleine hat damit noch kein Problem. Sie ist sehr genügsam und schon glücklich, wenn sie Kies aufheben und wieder fallenlassen kann. So saß ich also zum ersten Mal seit vielen Jahren auf einer Parkbank. Mitten im Botanischen Garten unter einer Eiche und habe meiner Kleinsten beim Spielen mit Kieselsteinen zugesehen und habe Touristen beobachtet. Während ich sonst immer Spaziergänge mit etwas Praktischem verbinde und meist Besorgungen mache bin ich das Erstemal mit meiner Kleinen wirklich spazieren gegangen und habe mir die Zeit genommen die Zeit wirklich zu genießen. Wahrscheinlich ist es meiner Tochter relativ egal, ob sie eine Einkaufsstrasse, oder exotische Pflanzen sieht, sie genießt es, sich frei bewegen zu dürfen und entdeckt die Welt mit Händen und Augen und oft auch mit dem Mund.

Ein ruhiger Spaziergang wäre mit den energiegeladenen beiden Größeren kaum machbar. Wir bemühen uns dabei eigentlich immer sie so zu fordern, dass sie zumindest einen Großteil der überschießenden Energie verbrauchen, was aber gleichzeitig bedeutet, dass wir als Begleiter ähnlich viel Energie verwenden müssen um Schritt zu halten und die Beiden in die selbe Richtung zu steuern. Mit einem einzigen kleinen Kind, das nicht weg ist, wenn man sich einmal umdreht und nicht viel schneller ist, als wenn man selbst dahinschlendert ist ein Spaziergang eine ganz andere Klasse.

So ruhig könnte es ruhig weitergehen

Die Zeit auf der Parkbank hat mir gut getan und ich habe es bereut, dass ich kein Buch mitgenommen habe. Irgendwie kann ich mir gut vorstellen, dass es ganz schön erholsam sein könnte allein, oder mit meinem Mann eine, oder mehrere Stunden auf einer Parkbank zu sitzen, den Vögeln zuzuhören, Leute zu beobachten, zu plaudern und die warmen Sonnenstrahlen zu genießen.  Vielleicht einmal mit einem guten Buch, oder nur mit dem Internet am Smartphone.

Einen Teil meiner Zeit so zu verbringen stelle ich mir ganz wunderbar vor. Auch wenn meine Kleinste bald auch ihr Sack-Flöhe-Gen entwickeln wird und wohl genauso weg sein wird, wie ihre beiden Geschwister, wenn ich zu lange unaufmerksam bin, so werde ich sicher irgendwann einmal auch ohne Kinder das Haus verlassen können und einfach mal was für mich machen. Und wenn das erst in der Rente ist, dann warte ich einfach noch die paar Jahre, bis ich meinen ersten Nachmittag auf einer Parkbank verbringe!

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