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Ich möchte kein Eisbär sein

Die Temperaturen draußen steigen und steigen und je länger die Hitze vor den Fenstern wütet, desto wärmer wird es auch in der Wohnung. Strahlender Sonnenschein und Schulferien laden nicht selten zu einem Besuch im Zoo ein. Dass dort Tiere leben, für die die aktuellen Temperaturen genau passen, aber das falsche Vorzeichen haben, wird bewusst, wenn man durch das gekühlte Polarium wandert. Trotzdem möchte ich bei diesen Temperaturen kein Eisbär sein!

Affenhitze

Besser haben es da schon die Affen. Zwar haben sie auch ein dichtes, teils recht langes Fell, aber sie haben einen großen Vorteil gegenüber den Eisbären und den Pinguinen. Sie haben Schweißdrüsen. Vögel und Bären müssen, genauso wie die Hunde hecheln. Dabei hat der Pinguin wieder einen Vorteil gegenüber dem Eisbär. Vögel haben eine höhere Körpertemperatur, wie Säugetiere. So hat sogar ein Pinguin etwa 39°. Manche Vögel sogar leicht über 40°. Der Eisbär liegt mit einer Körpertemperatur von 37° genau da, wo wir auch liegen. Mir persönlich sind 37° schon etwas zu viel, oder meine Ohren sind einfach zu klein.

Armer Eisbär

Der Eisbär hat also ganz ähnliche Voraussetzungen. wie wir, wenn es um Hitze geht. Nur hat er mindestens zwei Handicaps. Zum Einen fehlen ihm die Schweißdrüsen, um sich ordentlich und effizient zu kühlen, zum Anderen ist er so gebaut, dass er möglichst viel Wärmeenergie aus dem Sonnenlicht gewinnt. Die schwarze Haut unter dem fast durchsichtigen Fell holt noch das letzte Grad aus der brütenden Hitze. Übertroffen wird das Temperaturerlebnis wohl nur in der finnischen Sauna, oder als Student in einem Bärenfell, oder einem ähnlichen Ganzkörperkostüm. In beiden Fällen beginnt man nach spätestens 20 Minuten genauso zu hecheln, wie ein Eisbär in der Sonne.

Ich möchte kein Kind sein

Der Eisbär ist natürlich bemitleidenswert. Normalerweise leiden die Tiere weniger, als wir Menschen und nehmen Ausnahmezustände, wie eine Hitzewelle nicht als Anlass zum Jammern, sondern tun einfach das, was sie immer tun. Wenn es zu heiß wird, dann trottet der Eisbär in den Schatten, oder springt ins Wasser. Bei meinen Kindern fehlt dieses Verhalten. Wir flüchten vor der Hitze in der Wohnung jeden Tag für mehrere Stunden in den Innenhof. Dort gibt es viel Schatten, einen Sandkasten mit Wasserpumpe, den wir Wasserloch nennen und unser kleines Aufblasbecken. Bewegungen fallen mir bei mehr als 30° nicht unbedingt leicht und die anderen Mütter und ich sitzen möglichst energieschonend im Schatten und vermeiden unnötige Bewegungen. Nicht so der Nachwuchs.

Laufen, bis der Arzt kommt

Vorausschauendes Denken, oder die Anpassung des eigenen Verhaltens an die aktuelle Situation darf man bei Kindern nicht erwarten. Es könnte 50° haben, sie würden unverändert herumtollen und schreiend durch den Hof laufen. Schatten suchen gehört auch nicht zu den Stärken meiner Kleinen. Sonnenschutzfaktor 50+ und regelmäßiges Nachcremen konntes sie bisher vor Schlimmeren bewahren. Dafür, dass die jeden Tag ein paar Stunden in der Sonne verbringen sind sie fast blass. Zum Glück trinken sie wenigstens literweise Wasser. Die DGE nennt als Richtwert für Kinder zwischen 4 und 7 Jahren 940ml Wasser pro Tag. Meine Drei trinken bei der Hitze deutlich mehr. Auch wenn es bei der Hitze schwer fällt muss ich sie regelmäßig auffordern sich ein wenig zu setzen. Trotz hochrotem Kopf und schweißnassem Haar würden sie freiwillig keine Pause machen.

Angepasstes Spielverhalten

In der Wohnung kommen meine Kinder auch ständig auf Ideen, die mir niemals im Leben einfallen würden. Mein Sohn trägt am liebsten lange Hosen, wenn man ihn alleine in den Schrank lässt. Auch ein Leibchen mit langen Ärmeln kommt ihm nicht im Geringsten komisch vor. Würde ich es zulassen, dann würden sie auch unseren Fundus an Verkleidungen aus der Truhe holen und als Ninja oder Prinzessinen auf der Couch herumhüpfen. Ich verbringe meine Zeit damit, Energie zu sparen und so viel wie möglich zu trinken. Solange ich daheim bin, kann ich auch einen entsprechenden Dresscode wählen und auch unterwegs wähle ich meine Garderobe nach dem Prinzip, so viel wie nötig. Wieder ein Vorteil, den der Eisbär nicht hat.

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