kleines Frühstück für den Rucksack

Morgens verbringt die brave Mutter bis zu fünfzehn Minuten je Kind in der Küche um liebevoll eine ausgewogene und gesunde Mahlzeit im Taschenformat für die Kinder zu zaubern. Die Jause wird dann in einer wunderschöner und geschlechtsspezifisch designten Box, die farblich auch noch optimal auf den Rucksack abgestimmt ist geschmackvoll und appetitlich arrangiert und das ganze griffbereit im Rucksack des Nachwuchs verstaut.

Genau so stehe ich jeden Morgen in der Küche und bemühe mich redlich den Kleinen eine Mahlzeit zusammenzustellen, die keine Wünsche offen lässt. Sie soll nicht nur die Kinder satt machen, sondern ihre Gesundheit fördern, ihr Immunsystem stärken, andere Kinder ein bisschen neidisch machen und der Kindergärtnerin und natürlich den anderen Mamis ganz eindeutig vor Augen führen wie perfekt und souverän ich in meiner Mutterrolle agiere.

Soviel zur Theorie. Praktisch stelle ich fest, dass ich an den allermeisten Tagen die liebevoll arrangierte Jause in der wunderschönen, geschmackvollen und kindgerechten Lunchbox offensichtlich unberührt, oder kurz durchwühlt zurück bekomme. Und so kommt es, dass ich sehr oft selbst zu einer gesunden Jause am Nachmittag komme und Gurkenscheiben, Karottenstreifen, Apfelschnitten und Co. selbst esse.

Jetzt könnte man natürlich auch sagen, dass es ja schon mal gesund ist ein bisschen Sport zu machen und dass die Jause im Rucksack der Kinder wenigstens als Gewicht zur Steigerung des Trainingseffekts eine positive Auswirkung auf die Gesundheit der Kinder hat. Allerdings muss man in der Gleichung dann auch berücksichtigen, dass ich die Rucksäcke der lieben Kleinen auf dem Web zur und von der Kita selber tragen muss, weil die zwar liebend gerne zu Hause als Spielzeug verwendet werden, auf der Strasse aber unangenehm zu sein scheinen und deswegen spätestens nach 20 Sekunden abgelegt werden müssen.

Was bleibt ist also Beschäftigungstherapie, zwei Sporteinheiten und zwei gesunde Jausen. Für die Mama.

Was wäre also eine Alternative?

Man hat erstaunlich wenig Möglichkeiten. Entweder man füllt die Lunchbox mit Dingen, die die Kinder essen, wie Süßigkeiten, oder man lässt die Jause einfach mal weg. Und natürlich kann man die Sache auch so akzeptieren, wie sie ist und weiterhin Brötchen und Gemüse und Obst in kleine Plastikdosen sortieren nur um sie am Nachmittag wieder auszuräumen.

Ich habe für mich entschieden meinen Kindern weiterhin eine gesunde Mahlzeit mitzugeben. Sie werden in der Kita zwar verköstigt und bekommen auch Nachmittags eine Jause, aber auch das Frühstück halte ich für so wichtig, dass ich mir die Arbeit gerne aufbürde. Eines Tages, da bin ich mir ganz sicher, werde ich die Boxen öffnen und all die liebevoll vorbereiteten Köstlichkeiten werden bis auf ein paar Krümel verschwunden sein. Dann werde ich mit Tränen in den Augen dastehen und mich fragen, was zum Teufel ich jetzt essen soll…

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