Wir machen in Papier

Ich bin jetzt stolze Mama von drei kleinen Kindern, die in die Kita gehen. Dafür wird natürlich jeden Monat eine Gebühr fällig. Also zahle ich für Essen und Unterhaltung meiner Kinder einen doch stattlichen Betrag. Warum ich mir trotzdem Sorgen um die finanzielle Zukunft der Kita mache und warum ich ziemlich viel Papier zu Hause habe, möchte ich Euch heute erzählen.

Monatliche Kosten

Bei uns in Wien wird die Kita hauptsächlich von der Stadt bezahlt. Es gibt städtische Einrichtungen, die einen festgesetzten Preis haben und wenn man dort keinen Platz bekommt, oder die Kinder aus anderen Gründen in eine private Einrichtung schickt, übernimmt die Stadt den Teil der Kosten, den die städtische Kita gekostet hätte. Man zahlt also einen überschaubaren Betrag unter 150€, der hauptsächlich das Essen deckt. Darüber hinaus sind eigentlich nur Ausflüge separat zu bezahlen. Fahren sie mit dem Bus zu einem Ausflugsziel, oder müssen Eintrittsgelder bezahlen, dann fallen geringe Kosten zusätzlich an. Die Materialien, die die Kinder verbrauchen bezahlt die Kita.

Zeichnen und Malen

Besonders schön finde ich, theoretisch, dass die Kinder sich in der Kita kreativ ausleben können. Es wird mit ihnen gebastelt und gemalt und die Garderoben in der Kita sind bis oben zugepflastert mit liebevoll gestalteten Werken der Kleinen. Echt eine Freude! Allerdings gibt es einen Punkt, an dem ich mich nicht mehr freue, wenn die Kleinen basteln und malen. Mein Sohn ist da ein absoluter Vorreiter. Ihn aus der Kita zu holen ist wirklich ein schönes Erlebnis. So anstrengend er manchmal mit seiner Trotzphase und seinen Ticks ist, so begeisterungsfähig und glücklich kann er sein. Seine Gruppe ist direkt gegenüber des Eingangs und wenn man durch die Tür kommt schauen einen schon zehn kleine Kinder erwartungsvoll an.

Die Sonne geht auf

Erblickt mein Sohn mich, dann geht einem richtig das Herz auf, wenn man sein Lächeln sieht. Ehrliche kindliche Freude strahlt einem da entgegegen. Meistens stürzt er dann gleich aus der Gruppe und umarmt mich. Man ermahnt ihn dann, sich noch artig zu verabschieden und geht dann die große Schwester aus einer anderen Gruppe holen um beide in ihren Garderoben beim Wechsel der Schuhe und Anziehen der Jacke zu beobachten.

Wolken ziehen auf

An manchen Tagen, und ich fürchte mich vor diesen Tagen stürzt mein kleiner Sonnenschein nicht direkt aus der Gruppe auf mich zu. An solchen Tagen stürzt er in die andere Richtung. Hinten rechts in seiner Gruppe steht eine kleine Kommode mit grünen Plastikschubladen. Jedes Kind sammelt in seiner Lade seine künstlerischen Ergüsse. Während meine Älteste nur ausgewählte und künstlerisch wertvolle Stücke mitbringt und ich eigentlich keine Ahnung habe, ob sie einfach weniger künstlerisch produktiv ist, wie ihr Bruder, ihre Zeichnungen alle ausgestellt werden, oder die Erzieherin sie einfach entsorgt, geht mein Sohn in Punkto Kunst auf Masse. Quantität statt Qualität lautet die Devise.

Drei Kilo kindliche Kunst

Wenn er also zu seiner Lade stürzt, dann ist die Schublade voll, bis an den Rand. A4-Blätter in weiß mit wenigen, offensichtlich auch etwas lieblos gesetzten Schnörkeln. Künstlerisch wertlos. Aber so kann man das dem kleinen Künstler ja auch nicht ins Gesicht sagen. Also freut man sich, verkrampft lächelnd, während er zwischen Schublade und Mama pendelt und jedesmal mit einem neuen Stapel Papier ankommt. Diese Laden sind einfach zu groß!

Unstapelbar

Abgesehen davon, dass es eine unbeschreibliche Menge an Papier ist, haben die verdammten Kunstwerke auch alle angenehmen Eigenschaften von Papier verloren. Statt sich zu einem sauberen Stapel zusammensetzen zu lassen und bequem zu transportieren, entsteht durch geschicktes, oder eben ungeschicktes Stapeln eine Oberfläche von etwa einem Quadratmeter und das Papier lässt sich trotz aller Bemühungen einfach nicht zu einer kompakten und transportfähigen Einheit zusammenschieben. Schiebt man recht ein paar überstehende Blätter über die anderen, drückt man links ein paar Blätter heraus. Die Kunst landet also am Boden und man steht mit Kinderwagen und Jacke verzweifelt im Flur und der Kleine Picasso hört einfach nicht auf Nachschub zu liefern!

Kunstrecycling

Offensichtlich ahnen die Erzieherinnen schon, was ich mit dem Überangebot an Kunst vorhabe und reichen mir meist mitleidig einen Müllsack. Auch nicht besser, weil der unförmig riesige Stapel passt kaum in den Sacke und der Müllsack hat auch keine Schlaufe. Also hat man damit wenig gewonnen. Der Haufen lässt sich einfach nicht problemlos transportieren.

Künstlerdynastie

Auch wenn die Älteste der drei recht überschaubare Mengen an Kunst produziert, lässt das erste Monat Kita mit der Kleinsten schon ahnen, dass ich bald zwei Müllsäcke brauchen werde. Einziger Trost: Da bekommt man was fürs Geld. Mein Sohn und wohl auch bald meine kleine Tochter werden einen guten Teil der Kosten, die ich monatlich bezahle, in Papier verbrauchen. Ein kleiner Trost, denkt man an die Umwelt, aber auch zu Hause ist das Einlagern der ganzen Nicht-Kunstwerke nicht durchführbar. Ich könnte natürlich einen kleinen Lagerraum anmieten, aber erstens fehlt mir Zeit und Geld und zweitens kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Kinder in ihrem späteren Leben Verwendung dafür haben.

Waste – Art

Also landet das Papier (unbemerkt) im Altpapier. Ausgewählte Stücke werden am Kühlschrank befestigt. Wir haben einen mächtigen Kühlschrank. Side-by-Side amerikanisch und Übermannshoch, aber auf dem Teil ist kein Platz mehr. Einen zweiten Kühlschrank bringe ich nicht in meine Wohnküche, aber im Abstellraum steht seit einem Jahr eine Dose Magnetlack. So werden wir, wenn wir endlich mal ein bisschen Zeit haben, unseren Flur zu einer überdimensionalen magnetischen Pinwand umbauen und eine ordentliche Vernisage der wichtigsten Schaffensperioden meiner Kinder gestalten!

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