19:30h – Der Wellnessurlaub beginnt

Hausfrau und Mutter ist ein 24-Stunden Job. Oft reichen die 24 Stunden nicht ganz und man muss auch noch die eine, oder andere Überstunde zwischen die Tag- und die Nachtschicht einschieben. Da bleibt für Wellness, Ausspannen, oder wenigstens mal ein paar Minuten Zurückziehen meist keine Zeit.

Wellness für Eltern

Heute möchte ich mit diesem Beitrag bei der Blogparade von Christina und Christoph Schmuck teilnehmen, die eine Website betreiben, die mir das Wasser in Mund und Augenwinkeln zusammenlaufen lässt. Die Beiden haben ein unglaublich beeindruckendes Naturhotel. Auf der Website des Forsthofgut, auf der sie armen gestressten Hausfrauen mit idyllischen Bildern und mitreißenden Texten vor Augen führen, wogegen sie sich vor ein paar Jahren voller jugendlichem Leichtsinn und getrieben vom Kinderwunsch entschieden haben, betreiben sie auch ein Blog auf dem sie eine Blogparade ausgeschrieben haben. Wenn mir mein Dasein als Mutter schon recht wenig Spielraum einräumt, um mal ein bisschen Wellness zu machen, so darf ich, dank des Themas dieser Blogparade, wenigstens mal eine halbe Stunde davon träumen, während ich meinen Beitrag dazu verfasse.

Mein perfekter Wellnessurlaub

Wellnessurlaub, und es ist ein Wunder, dass ich solch ein schönes Wort überhaupt noch fehlerfrei Tippen kann, ist etwas, was man zurücklässt, wenn man den Weg der Mutter- und auch Vaterschaft beschreitet. Wer es versäumt, es in der Schwangerschaft noch einmal so richtig krachen zu lassen, der verlängert die Durststrecke nochmal um neun Monate. Es kann auch sein, dass das, was man panisch noch in die letzten neun Monate selbstbestimmter Zeit presst, schwer getrübt von allerhand Beschwerden ist. Morgens ist einem Übel, dann wird man müde und Nachmittags schwellen die Füße. Wellness in der Schwangerschaft ist interessant, aber sicher nur bedingt erholsam.

Ist das Kleine dann draußen und hat das Licht der Welt erblickt und die ersten Windeln umgeschnallt, dann hat man noch einmal ein ganz kurze Phase von drei bis maximal vier Monaten, die man verleben darf, ohne sich 24 Stunden dem Willen und den Bedürfnissen des Kindes unterordnen zu müssen. Ist es das erste Kind, dann beschränken sich die Wartungsarbeiten auf einmal Brust, oder Fläschchen alle drei Stunden und den Windelwechsel. Alle paar Tage wird das Kind gebadet und jeden Tag bekommt es neue Wäsche. Herrlich, aber zu kurz.

Irgendwann beginnt der Nachwuchs dann mit so unnötigen Dingen, wie vom Rücken auf den Bauch drehen, oder umgekehrt. Davor kann man das Baby noch für zwei bis drei Stunden weitgehend unbeaufsicht auf der Couch ablegen, oder sich beim Wickeln auch mal mehr als eine halbe Sekunde wegdrehen. Das Kleine liegt eigentlich nur herum und kann maximal Schreien. Nach dieser Schonfrist ist aber endgültig Schluß mit Lustig. Konnte Mama, bis zu diesem Zeitpunkt, die Strapazen der Geburt noch mit der einen, oder anderen kurzen Tiefschlafphase untertags verarbeiten und sich einen ähnlichen Schlafrythmus, wie das Neugeborene aneignen, so endet diese angenehme und, rückblickend betrachtend, sehr erholsame Phase abrupt.

Das war schon mal ein hervorragender Anfang für einen perfekten Wellnessurlaub. Allerdings, und das ist mit jedem Kind zunehmend unangenehm, funktioniert auch diese kurze Phase nur beim ersten Kind. Danach hat man schon einen, oder in meinem Fall im Endausbau zwei Pausenfüller, die die Schlafphasen der Kleinsten mit allerhand Kurzweil zu füllen wussten und Mama, trotz ausklingender Schwangerschaftsdepression und übermenschlichem Schlafbedürfnis, durch die Wohnung und den Rest der Weltgeschichte scheuchten. Beginnt dann der jüngste Nachwuchs auch noch mit der nächsten, völlig entbehrlichen Sache, nämlich der Mobilität, ist es restlos um Mama geschehen und sie ist in den Fängen des Kinderalltags gefangen.

tägliche kleine Wellness-Inseln

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und so muss auch eine Mutter, ganz im Sinne der Kinder, auf ihr Seelenwohl achten und mit ihrer Energie bedacht haushalten. Also beginnt man damit, sich kleine, winzige Rückzugsorte einzurichten. Das ist in meinem Fall mein Balkon. Auch wenn meine drei Kinder mit plattgedrückten Nasen an der Balkontüre kleben und das eben streifenfrei geputzte Glas wieder in Dekor-Milchglas verwandeln, so bleibe ich hart und draußen. Ich rauche schnell, aber die Minute alle ein bis zwei Stunden gönne ich mir. Wer Mutter ist, der weiß, dass es auch an stillen Orten laut wird, wenn man Kinder hat und auch hier keine Intimsphäre gewahrt wird. Im Bad muss man auch schnell sein, weil die Kinder, die natürlich rund um die Duschkabine ihr Unwesen treiben, sonst das Badezimmer umbauen und adrett Geordnetes in unordentlich Aufgetürmtes verwandeln. Also wird die Zeit in der Dusche auf ein Minimun reduziert.

Tagsüber sind meine beiden Größeren mittlerweile in der Kita und meine Kleinste schläft zumindest anderthalb Stunden. Auch diese Zeit ist ein Geschenk und ein Wellnessurlaub. Nicht so, wie manch einer sich Wellness vorstellen würde, aber auch in Ruhe und ohne kindliche Einmischung einmal die Hausarbeit verrichten zu dürfen erfüllt mich, an einem normalen Tag, wahrscheinlich mit mehr Glücksgefühlen, als wenn ich nach einer Massage tiefenentspannt im Whirlpool sitze.

Wellnessurlaub Schlaf

Meine Kleinste hat mir ein wunderbares Geschenk gemacht. Als Erste und, meist auch heute noch, Einzige schläft sie durch. Das eröffnet mir die Möglichkeit, nachdem meine Kinder gegen 19:30h alle eingschlafen sind, Zeit mit meinem Mann zu verbringen. Es tut gut mit jemanden zu sprechen, der sich auf einem ähnlichen intellektuellen Niveau bewegt und nicht jeden zweiten Satz heult. Es ist ruhig und wir lassen den Abend oft auf unserem Balkon, mit einem, oder einigen Gläsern Wein, ausklingen. Wir reden miteinander und wenn die Zeit reif ist, dann dürfen wir zumindest ein paar Stunden schlafen. Das heißt, eigentlich darf mein Mann meistens durchschlafen und ich bin etwa ab Mitternacht unterwegs um Kinder, die spontan das Ende der Nacht ausrufen, wieder zur Vernunft zu bringen. Den Rest der Nacht verbringe ich dann in verschiedenen Betten, bis morgens um halb Sechs die ersten kleine Füßchen durch den Flur tappen und der neue Tag beginnt.

jetzt zum Thema

Mein perfekter Wellnessurlaub hat wenige und ganz einfache Kriterien zu erfüllen. Perfekt wäre es, wenn ich schlafen könnte, wann und wie lange ich will. Es wäre perfekt, wenn ich nicht kochen müsste, sondern einfach Essen gehe. In meinem perfekten Wellnessurlaub wäre ich gerne im Mittelpunkt. Ich will mich selbst spüren und meine Bedürfnisse befriedigen, ohne mich unterzuordnen. Ich möchte nur die Verantwortung für mich tragen und auch einmal in aller Ruhe in die Richtung schauen, in die ich möchte, statt zwischen drei, sich chaotisch bewegenden Kindern hin und her zu schauen. Ein bisschen Sonne und ein bequemer Stuhl und ich, nur ich. Keine Ermahnungen, kein Weitblick und vorausschauendes Denken, kein Lauschen, ob jemand weint und kein Erziehen. Das wäre mein perfekter Wellnessurlaub.

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