Das Klettergerüst früher und heute auf kinderalltag.de

Das Klettergerüst früher und heute

Die Zeiten ändern sich. Erst gestern haben wir eine historische Straßenbahn gesehen. Die Älteste war ganz fasziniert, dass die Türen offen standen. Ich habe ihr dann erklärt, dass die Türen nicht defekt sind, sondern man früher einfach unterwegs auf- und abspringen konnte. Heute undenkbar. Die Verletzungsgefahr wäre einfach zu hoch. Auch auf den Spielplätzen hat sich einiges geändert und das Klettergerüst von früher hat wenig mit den tollen Spiellandschaften zu tun, die den Kindern heute zur Verfügung stehen.

Bunte Rohre

Es war in meiner Kindheit nicht ungewöhnlich, dass auf einer glatten Betonfläche ein buntes Klettergerüst stand. Für früher absolut in Ordnung und im Prinzip auch ausreichend, aber dank der DIN 7926-1, die am 1. August 1985 in Kraft getreten ist, wurden Fallhöhen, Materialien und zahlreiche andere Sicherheitsstandard für Spielplätze festgelegt. 1998 hat das Europäische Komitee für Normung dann die europaweit gültige Norm DIN/EN 1176 herausgebracht. Seitdem müssen unsere Spielplätze noch sicherer sein und Schaukeln, Rutschen, Wippen, Seilbahnen, Karussells, Wippgeräte und Raumnetze sind neben den allgemeinen Anforderungen geregelt. Dazu gibt es natürlich auch ein Prüfverfahren. Ich habe keine Ahnung, wie es um die Unfallzahlen auf Spielplätzen und ihre Entwicklung in der Zeit aussieht, aber das Klettergerüst auf Beton, oder Asphalt gibt es heute auf keinem öffentlichen Spielplatz mehr. Auch die EN 1177 sorgt dafür, dass auf Spielplätzen ein geeigneter stoßdämpfender Bodenbelag zum Einsatz kommt.

Das Klettergerüst

Trotzdem muss ich zugeben, dass mir auch zwischen all den Normen und Prüfverfahren mitunter Angst und Bange wird, wenn meinen Kinder todesmutig auf gefühlten 15 Metern Höhe über wackelige Holzbrücken balancieren. Das Klettergerüst mag heute sicherer sein, als früher, aber als Mutter nützt mir die europäische Norm nicht unbedingt dabei, mir keine Sorgen zu machen. Aber eine andere Sache hat sich verändert, die ich wirklich toll finde. Statt den Stahrohren und Metallkonstruktionen, auf denen ich als Kind noch geturnt habe, ist ein Kinderspielplatz heute auch optisch eine ganz andere Erfahrung. Zeitgemäße Spiel- und Freizeitgeräte sind Holzkonstruktionen, die ein richtiges Kinderparadies ist. Wer früher auf dem Spielplatz Pirat spielen wollte, der brauchte dazu jede Menge Fantasie. Man musste sich mit den anderen darauf einigen was das Schiff war und welche anderen Elemente Rollen hatten. Heute steht auf so einem Spielplatz ein komplettes Piratenschiff nach EU-Norm, das Wickie und seinen Vater neidisch gemacht hätte.

Burgen und Drachen

Je nachdem zu welchem Spielplatz man geht, gibt es dort Konstruktionen, die Spiele ermöglichen, die früher unmöglich gewesen wären. Ganze Burgen kann man erklimmen und auf Türme steigen von denen Meterlange Rohre als Rutschen wieder herunterführen. Das tolle an so einem modernen Spielplatz ist nicht nur die Optik, sondern auch die Motivation, die die Kinder damit haben. Der Bewegungsdrang sorgt zwar dafür, dass man auch auf einem bunten Klettergerüst immer wieder nach oben und wieder runter klettert, aber wenn man ehrlich ist, ist der Spaßfaktor dabei endlich. Warum sollte man denn hochklettern, wenn weiß, dass man es schon kann? Auf einem heutigen Klettergerüst, oder eigentlich einer abenteuerlichen Holzkonstruktion sieht es besser aus. Da gibt es nicht nur einen einzigen Weg hoch und wieder runter, sondern viele Varianten, wie man sich darauf bewegen kann.

Spielerischer Nervenkitzel

Dabei bewegen sich die Kinder tatsächlich in ziemlicher Höhe. Dank Sicherheitsnormen ist das kein Problem, aber für die Kinder ist es ein Erlebnis und ein echter Erfolg, wenn sie einen unglaublich hohen Turm erklimmen. Sie können auf Stangen nach unten rutschen, verschiedene Rutschen nehmen, oder über einen Steg auf ein anderes Gerüst wechseln. Viele Möglichkeiten und auf jeden Fall unterhaltsamer als unser altes Klettergerüst. Allerdings bekommt man als Aufsichtsperson eben auch eine große Portion von dem Nervenkitzel ab.

Aufsicht

Die Spielplätze heute sind nicht nur spannender und vielseitiger als unser altes Klettergerüst, sie sind auch weitläufiger und teilweise unübersichtlich. Richtige Spiellandschaften mit mehreren Geräten und Konstruktionen machen es recht anspruchsvoll, so wie ich, auf drei Kinder zu achten. Aber auch wenn man alleine mit einem Kind unterwegs ist, birgt ein Spielplatz Gefahren. Wie man dieser Studie entnehmen kann, steigen Spielplatzunfälle seit Smartphones zu unserem Alltag gehören. Hat man früher noch ein paar Freundinnen am Spielplatz getroffen, sich unterhalten und gemeinsam auf alle Kinder geachtet, so sitzen viele Mamis und Papis neben dem Klettergerüst und konzentrieren sich auf ihr Smartphone. Wichtige Recherchen, Kommunikation und die neuesten Spiele sind oft interessanter, als das, weas das eigene Kind auf dem Spielplatz tut.

Übermut

Die beste Sicherheitsnorm kann einfach nicht verhindern, dass Kinder Fehler machen und die Spielgeräte falsch benützen. Wer außen auf einem Klettergerüst klettert ist weniger gut geschützt, als wenn er, wie vorgesehen, innen klettert. Wenn Kinder von unten in die Hochgeschwindigkeitsrutsche einsteigen, oder hinter der Schaukel laufen, dann begeben sie sich in Gefahr. Man muss immer wieder dafür sorgen, dass sie sich nicht in Gefahr bringen. Benützt man die Spielgeräte aber so, wie es gedacht ist, dann haben unsere Kinder heute Spielplätze zur Verfügung, die keinen Kinderwunsch offen lassen. Tolle Spiellandschaften mit vielen Möglichkeiten zu klettern, zu schaukeln, zu balancieren und zu rutschen. Das alte bunte Klettergerüst war damals auch genug für uns, aber wenn wir ehrlich sind, hätten wir auch gerne so einen tollen Spielplatz gehabt. Ich zumindest würde am liebsten auch mal eine Runde in so einem Kinderparadies drehen 😉

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