Die kindliche Trickkiste

Im Alltag mit Kindern darf man keine Schwächen zeigen. Die Kleinen haben ein unglaubliches Gespür dafür Schwachstellen zu erkennen und auch auszunützen. Oft nutzen schon die Kleinsten ganz fiese Tricks um ihre Ziele zu erreichen.

Wer kennt das nicht? Wenn Mama etwas verbietet, versucht man sein Glück einfach nochmal bei Papa. Wichtig dabei: Schneller sein, als Mama die Information über die Ablehnung des kindlichen Ansuchens Papa zur Kenntnis bringen kann. Wir haben eine lose Ordnung darüber, wer wann etwas zu naschen bekommt. Wir haben einen großzügigen Vorrat an Schokolade, Gummibären und anderem Süßkram, der in überschaubaren Portionen an die Kleinen ausgegeben wird. Da es hier Limits gibt, die sich nicht mit denen der Kinder deckt, sprich sie bekommen für ihr Empfinden chronisch zu wenig zu naschen, muss durch geschicktes Taktieren und ein ausgewogenes Timing die Ration verdoppelt werden. Das ist grundsätzlich auch nicht schwer. Wenn Mama den Kindern vormittags, wenn Papa im Büro ist ein Stück Schokolade gibt, dann wird sie das am Nachmittag nicht wiederholen, sondern auf die Portion vom Vormittag verweisen und von weiterer Schokoladeausgabe absehen. Papa weiß vielleicht nichts von der Aktion am Vormittag, also gilt es nur abzuwarten, bis Mama sich am Balkon, oder sonst wo aufhält, wo sie einerseits nicht hört, was im Schokoladelager passiert und andererseits auch nicht allzu rasch wieder erwartet werden kann. Im richtigen Ton ganz beiläufig fällt dann die Frage nach Schokolade und Papa, der solche Gelegenheiten auch gerne dazu nutzt sich eine Rippe zu gönnen vergisst wahrscheinlich, Mama um Erlaubnis zu fragen. Wenn man die Schokolade dann auch noch schnell und rückstandsfrei vertilgt, bevor Mama den Plan betritt wird auch nicht unbedingt darüber gesprochen. Und wenn doch, dann bekommt eher Papa sein Fett weg, weil er ohne Rücksprache Süßigkeiten verteilt.

Auch in anderen, weniger emotionalen Themen sind die Kleinen recht einfallsreich um die Eltern und die mangelnde Kommunikation zwischen ihnen für ihre Zwecke zu nutzen. Verbietet der Vater, wegen zahlreicher Frechheiten und der Weigerung des Kindes das Zimmer aufzuräumen das abendliche Fernsehprogramm versichert man sich am besten unter vier Augen bei der Mutter, dass sie heute zusammen mit dem Kind beim Fernsehen kuschelt, weil man sie ja sooooo lieb hat. Dann ist Mama in der Zwickmühle, kann aber ihre Zusage schlecht widerrufen.

Um so etwas zu verhindern bemühen mein Mann und ich uns laufend wichtige Entscheidungen möglichst zeitnah abzustimmen. Verbote und Belohnungen werden rasch synchronisiert und auch Fehlverhalten wird gegenseitig berichtet um eine Gesamtbilanz ziehen zu können und Sanktionen zu verhängen, wenn der Bogen überspannt ist. Trotzdem sind wir dem Charme und der ideenreichen Tricks unserer Kinder oft ausgeliefert und es gibt öfter mal eine Tag, wo sie zweimal Schokolade bekommen und trotz umfangreicher Fernsehverbote den Abend gemütlich vor der Flimmerkiste ausklingen lassen. Wahrscheinlich lachen sie sich still ins Fäustchen, freuen sich, dass sie wieder einen Tag lang den Ton angegeben haben und hecken schon das nächste Husarenstück aus mit dem sie Papa und Mama übers Ohr hauen.

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