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Big Mama is watching

In meiner Kindheit war das Jahr 2000 immer etwas, das man nur aus der Science Fiction kannte. „2000“ war der Zusatz von Läden, die ausdrücken wollten, wie modern sie und wie fortschrittlich ihre Waren sind. Jetzt haben wir 2024 und ich lebe sozusagen in der Zukunft meiner Kindheit. Etwas enttäuscht bin ich allerdings, denn die Autos fahren immer noch auf der Straße, statt zu fliegen und ich trage auch keinen silbernen Overall. Ansonsten hat die Welt sich aber massiv verändert und die Technik ist allgegenwärtig. Alleine das Internet, das es in meiner Kindheit und Jugend nicht gab, ist lebensverändernd. Es gibt mir Möglichkeiten, die meine Elterngeneration nicht hatte. Es stellt sich zwar mitunter die Frage, ob ich diese Möglichkeiten auch alle brauche, aber wo es sie schon einmal gibt, können sie meinen Alltag erleichtern und mein Leben bereichern. Eines dieser Dinge ist GPS. Ich kann mich noch erinnern, wie die ersten Navigationssysteme aufkamen. Sehr teure Geräte, die auf magische Weise wussten, wo man ist. Die Technologie ist fortgeschritten und heute alltagstauglich geworden. Heute gibt es kaum noch ein Auto, das ohne Navi ausgeliefert wird und jedes Smartphone kommuniziert mit dem Satellitennetzwerk im Orbit. Als Mutter kann man das nutzen und die Standorte seiner Kinder überwachen.

Kontrolle ist gut

Wir leben in einer Stadt, in der fast 2 Millionen anderer Menschen leben. Meine jüngste geht zu Fuß zur Schule. Sie ist etwa 15 Minuten unterwegs, bis sie dort ist und muss, je nach Route 4, oder 6 Straßen, darunter eine große, dicht befahrene Straße überqueren. Die beiden anderen besuchen Schulen in einem anderen Bezirk und sind zwischen 20 und 30 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Alle drei sind selbstständig und bewältigen den Weg problemlos. Meine Jüngste telefoniert gerne auf dem Weg mit mir, wenn ich sie nicht begleite. Die beiden älteren fahren verlässlich zur Schule. Der Weg zur Schule ist unproblematisch. Die Kinder wissen, dass sie rechtzeitig dort sein müssen und trödeln nicht. Auf dem Heimweg sieht das anders aus. Da gibt es eine Fülle an Ablenkungen und keinen Zeitdruck. Gerne rufen sie dann auch an und informieren darüber, dass sie noch ein wenig Zeit mit Freunden verbringen, oder shoppen, oder sonst einen Umweg machen. Mitunter machen sie das aber auch, ohne anzurufen. In so einem Fall habe ich die Möglichkeit, die Handys meiner Kinder zu orten.

Google Family Link

Wir haben keine Apple-Geräte, also kann ich leider nicht sagen, ob Apple das auch beherrscht, aber ich gehe einmal davon aus. Wenn man ein Android-Gerät in Betrieb nimmt, dann wird gefragt, ob es sich um ein Handy für ein Kind handelt. Bestätigt man das, dann wird man durch einen Prozess geführt, in dem man bei Google eine Familie anlegt. Natürlich sammelt Google damit jede Menge Daten, aber in dem Fall bekommt man ein wertvolles Service dafür. Nachdem der amerikanische Konzern sowieso früher oder später alles über Dich weiß, kann ich also auch dieses kostenlose Angebot nutzen. Konkret geht es um Google Family Link. Mein Mann und ich können damit die Handys der Kinder verwalten. Man kann Ruhezeiten einstellen und die Kinder können alleine keine Apps installieren. Ein cooles Feature ist die Handyortung. Mit zwei Klicks rufe ich eine Karte auf, auf der ich die Position meiner drei Kinder als kleine Fähnchen auf der Karte sehe.

Datenschutz

Man kann an dieser Stelle eine lange Diskussion darüber führen, ob man einem amerikanischen Konzern, der von Daten lebt, freiwillig Zugriff auf zusätzliche Daten geben will. Es ist auf jeden Fall klar, dass Google spätestens mit Android so gut wie alles herausfindet, was den Konzern interessiert. Man sollte sich einmal den Standortverlauf ansehen, wenn man das nicht glaubt. Mein Mann hat einmal ein iPhone probiert und das Teil hat ihm, sobald er ins Auto gestiegen ist, genau vorhergesagt, wohin er fährt und wie die Verkehrsbedingungen am Weg sind. Dazu musste er nicht mal morgens zur Arbeit fahren. Auch wenn er im Außendienst war und wieder zurück ins Büro fuhr, wusste das Smartphone bereits Bescheid. Es ist meiner Meinung nach relativ sinnlos, sich hierüber Gedanken zu machen. Ich denke darüber nach, bevor ich einer App Berechtigungen erteile und schließe alle meine Apps, weil sie sonst vielleicht weiterhin Zugriff auf das Mikrofon haben könnten. Würde ich nicht wollen, dass meine Daten irgendwo gespeichert werden, dann müsste ich auf das Handy verzichten. Nachdem ich aber kaum etwas tue, das ich geheim halten muss, ist das Risiko überschaubar. Sollte ich mal einen Banküberfall planen, dann lasse ich das Handy aber zu Hause.

Wo sind die Kinder

Kinder zu überwachen klingt hart, gehört aber zu den Pflichten der Eltern. Es wäre fahrlässig, wenn ich die Kleinen einfach so in eine Millionenstadt entlasse. Auch wenn ich nicht das Kind, sondern eben nur das Handy orten kann, ist das zumindest beruhigend. Außerdem ist es sehr praktisch, dass man das Handy auch klingeln lassen kann, wenn es lautlos ist. Das nutzen wir oft, wenn eines der Smartphones in der Wohnung verschwunden ist. Taucht es trotzdem nicht auf, dann können wir checken, ob es überhaupt daheim ist. Gegebenenfalls sehen wir, dass es etwa im Auto ist, oder, wie zuletzt, meine Tochter es in der Schule vergessen hat. Das spart viel Zeit und Ärger. Speziell das GPS ist eine tolle Sache, die ich regelmäßig nutze. Ich kann auf einen Klick sagen, ob meine Kinder in der Schule angekommen sind, oder wo sie gerade unterwegs sind. Zwar muss man sagen, dass der Standort nicht immer zu 100 Prozent verfügbar ist, aber im Grund funktioniert das sehr gut. GPS ist eine tolle Technologie und man kann mit entsprechenden Geräten auch Autos, Motorräder und andere bewegliche Dinge tracken. Anbieter, wie Salind haben auch GPS Tracker im Angebot. Damit kann man die Bewegung später auf einer Karte darstellen lassen. Bei Fahrradtouren ist so etwas interessant. Auch wenn man nicht mehr weiß, wo man sein Fahrzeug geparkt hat, oder es gestohlen wurde, kann man damit nachvollziehen, wo es ist.

Ist Vertrauen besser

Allerdings habe ich natürlich auch Bedenken und mache mir darüber Gedanken, ob es in Ordnung ist, meine Kinder zu tracken. Speziell die Frage, ab welchem Alter ich das nicht mehr tun soll, beschäftigt mich. Mir ist wichtig, dass alle Drei wissen, dass ich diese Möglichkeit habe. Sie wissen auch, dass sie bei der Installation einer App zu den Eltern kommen müssen und wir entscheiden, ob sie sie nutzen dürfen, oder nicht. Wir wollen, dass die Handys in erster Linie für Kommunikation genutzt werden. Daher installieren wir normalerweise keine Spiele auf den Geräten. Die Kinder haben jeweils einen Kindle Fire und wir haben andere Geräte, auf denen sie spielen können. Einerseits wollen wir vermeiden, dass die Handys irgendwann überladen sind, langsamer werden und es keinen Speicherplatz mehr für wichtige Dinge gibt. Andererseits wollen wir weiterhin eine Chance haben, die Mediennutzung der Kinder zu überwachen. Wenn sie am Smartphone alles installieren können, was sie wollen, dann wird es schwierig, sie vor möglichen Gefahren zu schützen.

Fluch und Segen

Ja, ich bin ohne Smartphone aufgewachsen. Es gab diese Technologie tatsächlich noch nicht. Es hat funktioniert. Als Mutter musste man eben Vertrauen haben. Ich habe auch kein wirkliches Problem damit, ein wenig zu warten. Das war früher ganz normal. Man hat einen Treffpunkt und eine Uhrzeit vereinbart und war dann dort. Kam jemand zu spät, dann hat man kurz gewartet. Kam die- oder derjenige nicht, dann war das nun mal so. Dann konnte man zu einer Telefonzelle gehen und bei der betreffenden Person daheim anzurufen. Das war unproblematisch, weil man wichtige Telefonnummern, dazu gehörten auch die Festnetzanschlüsse der Freunde, auswendig kannte. Heute meldet man sich schon im Vorfeld, dass man sich verspätet, eröffnet Gruppenchats und macht Videoanrufe, nur damit man sich flexibel treffen kann. Mir kommt das so vor, als würde man versuchen auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, statt am Bahnhof einzusteigen. Man nimmt heute weniger Rücksicht auf andere. Auf der einen Seite will man nicht dumm herumstehen und warten, während man ja etwas so viel Besseres machen könnte. Auf der anderen Seite will man die Freiheit haben, dann aufzutauchen, wann es in die eigene Lebensplanung passt.

Früher war es besser

Ob es früher besser war, oder nicht, ist eine schwierige Frage. Ich möchte auf Dinge, wie die Entwicklung in der Medizin auf keinen Fall verzichten. Ob ich das Internet brauche, weiß ich nicht. Ja, es ist schön, wenn ich den Fernseher, oder sonst ein Gerät einschalte, Neflix, Disney+, Prime, oder Youtube starte und sehe, was ich will. Es war aber auch schön, auf das Hauptabendprogramm zu warten und sich, je nach Programm, als Familie rechtzeitig vor dem Fernsehen einzufinden. Dinge, die ständig verfügbar sind, verlieren an Wert. Das trifft nicht nur auf Medien zu, auch das Wissen ist heute wertlos. Wozu sollte ich eine Formel lernen, wenn ich sie in sekundenschnelle am Handy suchen kann? Ich kann mir heute selbst nicht mehr vorstellen, wie das Leben früher funktioniert hat. Tut ein Gerät nicht mehr das, was es soll, dann googelt man und findet eine Anleitung, wie man es selbst repariert. Klappt das nicht, dann googelt man eine Werkstatt. Ist das Gerät klein genug, dann bucht man direkt eine Abholung, oder druckt sich ein Versandetikett und schickt es ein. Früher nahm man das Teil und brachte es zu dem einen Geschäft. Der Laden, in dem man das Gerät auch gekauft hat. Hier wurde man nicht nur persönlich begrüßt, sondern der Ladenbesitzer kannte auch das Gerät noch. Er nahm es an sich und nach ein paar Wochen war es repariert.

Überreizung

Irgendwie gibt es heute viel zu viele Möglichkeiten für alles. Man kann einfach überall hin auf Urlaub fahren. Es gibt gefühlt Tausende von verschiedenen Kühlschränken. Will man einen kaufen, dann muss man mit einer Recherche starten. Man sucht Kühlschränke, die genau die Eigenschaften haben, die passen. Dann entscheidet man sich für ein Modell, sucht die passenden Händler, vergleicht Preise und Versandkosten und bestellt online. Das Angebot gibt es nur deswegen, weil auch der Händler keine Ahnung mehr haben muss. Der bestellt bei einem Großhändler. Der Händler hat nur einen Onlineshop. Den hat es nicht selbst entwickelt, sondern bei einem Dienstleister gekauft, der für die Software eine Lizenz gekauft hat. In den Onlineshop spielt der Händler dann automatisch Listen ein, die der Großhändler herausgibt. Damit sein Risiko gering bleibt, kauft der Händler auch keine Kühlschränke. Die stehen beim Großhändler und werden erst dann an den Händler verrechnet, wenn der Kunde sie kauft und oft auch direkt vom Großhändler verschickt. Statt bei einem Experten, der gelernt hatte, wie Elektrogeräte funktionieren und im grauen Mantel durch eine Vorhang in den Verkaufsraum kam, wenn man in den Laden kam, zu kaufen, bestellen wir heute bei einem Entrepreneur, der im Wohnzimmer einen PC hat. Statt uns von jemanden beraten zu lassen, der seit Jahrzehnten Kühlschränke verkauft und repariert, lesen wir heute Rezenssionen und vergleichen Geräte auf Vergleichsportalen.

Do it yourselve

Was früher Experten erledigt haben, das machen wir heute selbst. Der ältere Mann im grauen Mantel musste auswählen, welche Geräte er auf Lager nahm. Er entschied sich für die Geräte, die er ruhigen Gewissens seinen Kunden empfehlen konnte. Die Händler, bei denen wir heute kaufen, interessieren sich nicht dafür, ob wir wiederkommen. Hier zählt der Preis und zur Not bezahlt man einem indischen Callcenter dafür, dass ein paar positive Rezenssionen verfasst werden. Schon ist man im Geschäft. Verkauft werden die Geräte, die den größten Gewinn abwerfen. Was bleibt ist, dass wir unsere eigenen Berater geworden sind. Die kleinen Händler und Werkstätten sterben aus. Ob wir im Ort, oder am anderen Ende der Welt etwas bestellen, macht keinen Unterschiede. Nach spätestens ein paar Tagen ist es da. Meist sogar am nächsten Tag. Eine spannende Entwicklung. Wir können selbstbestimmt entscheiden, was wir kaufen. Allerdings sind wir dadurch hochgradig abhängig von immer weniger Anbietern. Ein Kühlschrankhersteller kann so viel schneller die Konkurrenz vom Markt drängen. Er muss nur dafür sorgen, dass er die besseren Preise und die höhere Gewinnmarge für die Händler hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das gut ist.

Zeitgeist

Aber ich fürchte, wir werden daran nichts ändern und vielleicht ist es so auch besser, als früher. Es ist sicher effizienter, wenn irgendwo auf der Welt eine einzige Fabrik steht, die Kühlschränke baut. Das macht es effizienter, billiger und umweltfreundlicher. Dort kann man dann das geballte Wissen der Menschheit über Kühlschränke bündeln. Dinge zu zentralisieren und Angebote zu reduzieren ist nicht unbedingt schlecht. Schlecht finde ich, dass wir verlernen selbst zu denken. Statt im Kopf zu rechnen, verwenden wir das Smartphone als Taschenrechner. Gut, auf so etwas zuzugreifen, aber auch unnötig. Ein Blackout wäre für unsere Elterngeneration nicht schlimm gewesen. Für unsere Großeltern wäre es fast schon normal gewesen und dafür war Strom sowieso unwichtig. Heute hat man Angst davor, dass die Gesellschaft nach 2 Tagen ohne Strom nicht mehr funktioniert. Es bleibt nur, das beste daraus zu machen und die Angebote bewußt zu nutzen. GPS und die Smartphone-Verwaltung für die Kinder zu nutzen, finde ich gut. Ob ich bei jeder Schnäppchenjagd mitmachen muss, weiß ich noch nicht. Aber ich kann dazu ja jederzeit im Internet nach Denkansätzen suchen.

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